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WTM => WTM Hobby => Videospiele => Topic started by: Helluo Librorum on 01. Jul. 2013, 09:46:25

Title: The Last of Us (PS 3)
Post by: Helluo Librorum on 01. Jul. 2013, 09:46:25
Das im Juni neu erschienene "The Last of Us" hat bereits jetzt, kurz nach seiner Veröffentlichung, Videospielgeschichte geschrieben. Ehrlicherweise konnte man auch schwerlich etwas anderes erwarten bei einem Spiel, das derselben geistigen Kreativität entsprungen ist, der die Videospielegemeinde auch die kongeniale "Uncharted"-Reihe um den Hauptprotagonisten Nathan Drake, seines Zeichens Schatzjäger und Nachkomme des legendären Sir Francis Drake (Freibeuter, Weltumsegler, Entdecker), zu verdanken hat. Eine dreiteilige Spielereihe, die zwar auch viel brachiale Actionkost bietet, aber in erster Linie als Abenteuer zu überzeugen weiß und in meinen Augen, auch Dank der überzeugenden Geschichte, der faszinierenden Charaktere und dem vielen Wortwitz das geworden ist, was ich mir einst von "Tomb Raider" und seinen zahlreichen Serienablegern erhofft hatte.

Da die Macher von "Uncharted" sich mit dieser Reihe erstens selbst einen Stempel aufgedrückt haben und zweitens das Wagnis eines völlig neuen Genres zu betreten wagten, stand bei mir ehrlich gesagt am Anfang auch einiges an Skepsis. Würde es ihnen gelingen, sich aus den Klauen von "Uncharted" zu befreien und in einem Genre, das eigentlich schon als relativ ausgelutscht galt, gleichermaßen zu brillieren? Zumal die Grundgeschichte von "The Last of Us" auch erst einmal nicht sehr viel hergibt.

Die Menschheit wird von einer Seuche dahingerafft und es gibt nur sehr wenige Überlebende. Das kommt einem natürlich nur zu bekannt vor. Die wenigen Überlebenden kämpfen gegen Scharen von Zombies. Auch schon alles Dutzendfach durchgekaut. Was sollte also an diesem Spiel so anders, so besonders werden?

Eine Frage, die auch ich mir bis zum Kauf dieses Spiels selbst gestellt habe und über die ich heute im Nachinein nur noch müde lächeln kann. Dieses Spiel ist anders und vor allem aber auch besonders!

Die Videospielezeitschriften wie nahezu sämtliche Experten und Kritiker loben das Spiel in allerhöchsten Tönen - und das vollkommen zurecht.

Aber machen wir uns nichts vor: Ein "perfektes" Videospiel wird es nie geben und da die Geschmäcker individuell verschieden sind, wird jeder für sich den einen oder anderen Punkt kritisieren und hätte sich dies oder jenes anders, bzw. besser gewünscht.

Daher werde ich aus meiner persönlichen Sicht auch die Dinge ansprechen, die ich nicht zu 100% gelungen fand.

Das war vor allem der Anfang des Spiels. Es kam mir alles zu schnell daher und man bekam eigentlich gar nicht so richtig erzählt, was und vor allem warum es passierte. Eine hektische Flucht wie aus dem Nichts, eine erste Tragödie und schon kam ein riesiger Zeitsprung, der mir die Zeit ließ, enttäuscht über den Beginn des Spiels zu resümieren.

Dann erst einmal große Langeweile: Man wird an das Leben des Hauptprotagonisten Joel in einer von vielen Quarantänezonen herangeführt, führt einige Gespräche und bewegt sich langsam durch die überschaubare Anzahl von Straßen.

In mir wächst langsam die Angst, einen teuren Fehlkauf getätigt zu haben: Wenn das so weiter geht, sterbe ich noch vor Langeweile!

Dann machen wir uns auf den Weg zu den sogenannten "Fireflies", einer Art Rebellentruppe, die gegen das brutale Vorgehen der Polizei- und vor allem Militärkräfte aufbegehrt. Dort angekommen, erhalten wir von der Chefin der "Fireflies" einen Auftrag: Wir sollen ein 14-jähriges Mädchen namens Ellie zu dem Rest ihrer Truppe bringen. Denn Ellie scheint immun gegen das Virus zu sein und ist die einzige, die sich nicht in einen blutrünstigen Zombie verwandelt hat. Trägt sie also das Gegenmittel in sich, das die gesamte Welt retten könnte?

Erst ab diesem Punkt beginnt das Spiel seine Stärken immer mehr auszuspielen. Größtenteils zu Fuß machen wir uns auf den langen und beschwerlichen Weg, um unseren Auftrag zu erledigen. Wir treffen unterwegs auf ein paar andere Charaktere, die uns durch kurze Phasen des Spiels begleiten und aus unterschiedlichen Gründen nicht den Weg mit uns bis zum Ende gehen wollen oder können.

Während Joel sich anfangs noch sehr an seiner jungen Begleiterin stört, lassen die Erfahrungen, die sie im Laufe ihres Weges sammeln, die beiden einander immer näher bringen. Mit der Zeit akzeptiert Joel sie dann auch als seine Helferin und darf sich somit fortan Ellies tatkräftiger Unterstützung im Kampf gegen die Zombies gewiss sein. Doch die sind nicht die einzigen Gefahren, denen unser Duo ausgesetzt wird. Das Spiel wartet im Laufe seiner Geschichte nämlich immer wieder mit Überraschungen auf, die natürlich nicht ausschließlich positiver Natur sind.

An den Händen von Joel und Ellie klebt immer mehr Blut und das Spiel geizt auch wahrlich nicht mit brachialer Gewalt, die zudem schonungslos dargestellt wird. Dabei ist das Spiel nicht brutal der Brutalität wegen, sondern weil es eben nur so dem Spiel eine realistische Note zu verleihen vermag. Tatsächlich hat man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass hier unter- oder gar übertrieben wurde. Sollte es eines Tages wirklich einmal zu einer Seuche, egal welcher Art, kommen, die fast die gesamte Menschheit dahinrafft, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass das alltägliche Leben genau so aussehen könnte.

Zwischen all der Brutalität gibt es aber auch immer wieder wunderschöne Momente, so klein sie in diesen düsteren Tagen auch sein mögen. So erfreut man sich beispielsweise an Ellies Reaktionen, die zum ersten Mal frei lebende Tiere wie z.B. Giraffen sieht oder nicht weiß, was ein Eiswagen ist.

Überhaupt ist Ellie für mich das Highlight in diesem Spiel. Ihr Charakter ist wundervoll gezeichnet, man lauscht gerne den Gesprächen mit ihr oder ihren Kommentaren, beobachtet sie beim Erkunden der Welt und entwickelt darüber hinaus allerhöchsten Respekt für ihren Mut. Mir persönlich erging es beim Spielen so, als ob ich meine kleine Schwester beschützen müsste. Eine derart emotionale Verbundenheit in einem Videospiel zu erzeugen, ist immer ein großer Pluspunkt im Zeitalter der vielen seelenlosen Videospiele.

So lässt mich das Spiel auch recht traurig zurück, da ich nur zu gerne noch viel länger in dieser atmosphärischen Spielewelt hätte verweilen wollen. Es bleibt mir die berechtigte Hoffnung auf einen zweiten Teil.

Was ich mir für dieses Spiel sehr gerne gewünscht hätte, wären hier und da moralische Entscheidungen gewesen, die man als Spieler zu treffen hat und von denen die Story im weiteren Verlauf beeinflusst worden wäre. Ein Punkt, den aktuell vor allem "The Walking Dead" sehr gut umsetzt und der auch die Motivation erhöht, das Spiel noch weitere Male zu spielen, um die Auswirkungen der unterschiedlichen Entscheidungen auszutesten. Ein weiteres gutes und bekanntes Beispiel wäre an dieser Stelle "Heavy Rain", das dies auch sehr gut umzusetzen verstanden hat.

Für mich ist "The Last of Us" mehr als bloß ein Videospiel. Es war eine wundervolle Erfahrung in einer realistisch anmutenden Welt. Ein packender Überlebenskampf und eine emotionale Achterbahnfahrt zugleich. Vor allem ist es aber meiner bescheidenen Meinung nach eine unbedingte Kaufempfehlung.

Storytrailer:

http://www.youtube.com/watch?v=QvJdOMNkkSI (http://www.youtube.com/watch?v=QvJdOMNkkSI)

Hinweis

Rechtschreibung und Grammatik wie immer ohne Gewähr.
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