Von der Kleiderkammer zum Unikat das Pilotprojekt „Nähwerkstatt“

Der Werkstatt-Treff Mecklenheide e.V. hat sich mit der Nähwerkstatt in einen gefährdeten Berufsbereich mit hoher Arbeitslosigkeit gewagt: das Schneiderhandwerk. Neu ist dabei der Wiederverwertungsaspekt gebrauchter Kleidung.
Schneidereien gibt es nur noch wenige, Ausbildungsplätze sind besonders rar geworden. Vor allem die Industrieschneiderei ist eine aussterbende Branche in Deutschland; mit wenigen Ausnahmen ist die Textilindustrie in Billiglohnländer abgewandert. In kleingewerblichen Schneidernischen ist es schwer, vernünftige Preise einzuhalten und dabei ausreichend zu erwirtschaften für eine selbstständige Existenz. Ein Faktor für die unwirtschaftliche Produktion von Textilien sind nicht nur die Lohnkosten, sondern auch teure Stoffe. Das Schneidern ist somit zu einer eher ideellen Beschäftigung geworden, da viele Stoffe teurer sind als fertige Billigprodukte.
Nicht so beim Werkstatt-Treff Mecklenheide e. V.: Hier sammeln sich laufend kostenlose Roh"stoffe" an: Altkleider. Dies ist die Grundidee des Pilotprojektes von Elke Pilmaier.

Das Roh"stoff"lager

Normalerweise würden diese auf dem Müll oder in die Altkleidercontainer landen - gut erhaltene Kleidungsstücke mit unmodernen Schnitten. Eigentlich ein Ressourcenlager, aber wen interessiert eine gepflegte Karottenhose aus den 90ern, ein unversehrtes kleingeblümtes Synthetikkleid in Sackoptik oder ein 80er-Jahre Flanellhemd in braunem kanadischem Holzfällerkaro? Nun wandern nur die qualitativ minderwertigen Kleidungsstücke bzw. -reste lauf dem Müll.
Die Teilnehmerinnen der Nähwerkstatt sahen die Kleidungsstücke mit anderen Augen: Gewaschen und neu kombiniert fanden auch die kitschigsten oder formlosesten Kleidungsstücke als Tasche oder anderes Übungs- und Liebhaberstück neues Leben in der Nähwerkstatt im 1. OG des Stöber-Treffs.

Das Team der Nähwerkstatt im Pilotprojekt (von links nach rechts):
G. Rietz, D. Milbert, O. Shoamanesh, D. Klinkenberg, S. Hamedi,
B. Nötel, F. Zengin, G. Harms, H. Oldenburg, K. Baltruschat, D. Boateng-Debrah

Nachhaltige Abfallverwertung und -vermeidung war die Devise des Teams.  Die Teilnehmerinnen, allesamt Frauen aus dem Norden Hannovers, wurden von der Maßschneiderin und Schnitttechnikerin Birgit Nötel und im letzten Projektabschnitt von der Schneiderin und Modedesignerin Anja Diering betreut.



Birgit Nötel und Elke Pilmaier


Anja Diering
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Die Vorkenntnisse der Teilnehmerinnen variierten von der Maßschneiderin oder gelernten Industrienäherin bis zur Hobbyschneiderin. Die Hälfte der Frauen hatte einen Migrationshintergrund (Russland, Polen, Ghana, Iran, Türkei).
Sie kamen durch dieses Projekt für ein Jahr aus der Arbeitslosigkeit und konnten ihr Talent, Können und ihre Begeisterung einbringen. Manchmal reichte die Arbeitszeit von 30 Std. nicht aus für das, was die Frauen sich vorgenommen haben. Das Engagement war hoch, denn viele Teilnehmerinnen sind auch privat leidenschaftliche Schneiderinnen.





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Hinzu kommen Impulse von Stadtteil-Projekten wie einer Kollektionserstellung durch die Gewandmeisterin und Designerin Stef Wildung, finanziert vom EU Programm „Stärken vor Ort“. Möglich war dies durch die Kooperation mit dem Stadtteilbüro Hainholz, das auch eine Vorführung der Modelle durch wichtige Stadtteilakteure und –politikerInnen auf einer Modenschau beim 25-jährigen Jubiläum des WTMs möglich machte.





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Mit einer Anschubfinanzierung der Stadt Hannover konnte die Nähwerkstatt im Februar 2009 gestartet werden. Lange schon hatten das JobCenter Region Hannover und das Stadtteilbüro Hainholz sowie einige der erfolgreichen ProjektteilnehmerInnen der Textilwerkstatt „Fahnen für Hainholz“ eine Möglichkeit für eine längere Qualifizierung gesucht. Und auch der Werkstatt-Treff Mecklenheide e. V. und die Projektleiterin Elke Pilmaier wollten ihr einmonatiges Stadtteilprojekt "Von der Kleiderkammer zum Unikat" aus dem Jahr 2008 weiterentwickeln.

Die Qualifizierung startete mit Dekorations- und Haushaltsartikeln, Taschen und Hüten.
Auf einem Osterbasar am 03. April 2009 wurden im Stöber-Treff erste kleine Geschenkartikel wie Fühlbücher, Taschen und sogar neue Kleidungsstücke ausgestellt und zum Verkauf angeboten.

Nach einem Vierteljahr schon waren die Teilnehmerinnen fit für Kinder- und Erwachsenenkleidung. Dabei wurden nicht nur klassische Nähtechniken eingeübt, auch Flexibilität und Fantasie waren bei der Verwendung von Gebrauchtkleidung gefragt.

Manchmal konnte man nur kleine Stoffteile gewinnen, für Kleinteile kein Problem. Ein Schnitt für Kleidung aber muss viele Teilungsnähte enthalten oder aus Patchworkteilen umgesetzt werden.



Nachher


Nachher
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Die Designerinnen lieferten erstaunliche Ideen: So wurden aus Strickpullis, T-Shirts und Hemden Baby- und Kinderkleidung. Aus Bahnen von Hosen, Röcken, Jacken und Mänteln wurden „Stoffe“ hergestellt und durch pfiffige Schnitte entstanden lebendige Unikate.



Nachher
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Ein besonderes Highlight war die Einbindung von Recyclingtechniken für Schmuck und Zubehör wie Gürtel, Verschlüsse, Verbindungen bei Taschen u. a. durch die Recyclingdesignerin Tanja Kötting.

Tanja Kötting setzt ihre Ideen um

Die Gründerin des Labels „manamaniacs“ war lange für das hannoversche AGENDA 21-Projekt „Wandelwerte“ tätig, absolvierte eine Fortbildung bei der brasilianischen Recyclingdesignerin Aguida Zanol und lernte, sogenannten Abfall als wertvollen Rohstoff zu sehen. Die Vertiefung der Fortbildung und die Anschaffung wichtiger Arbeitsmaterialien wurden ermöglicht durch eine erneute Förderung der Stadt Hannover und des Quartiersmanagements Hainholz.

Vorher



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Nachher

 


Vom Pulli zur Tasche

Vorher:     

Strickpulli mit aufwändiger Blumenborte
Hose aus blauem Leinengemisch



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Nachher:  

Tasche mit Schmetterling vorn und Blumenranken hinten

Näherin: Shirin Hamedi


Vorher: grünes Jeanshemd



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Nachher:   2 Taschen

Näherinnen: Daniela Klinkenberg und Gabi Harms


Vorher: Jeans


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Nachher: Katze mit Filzflecken

Näherin: Gabi Harms


Vorher: Hose



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Nachher: Tasche mit Filz, Spitze u. a.

Näherin: Dolly Boateng


Vorher: 2 Hosen und 1 Hemd



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Nachher: eine Tasche

Näherin: Fatma Zengin


Vorher: Jeans



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Nachher: Tasche

Näherin: Dolly Boateng

Presse



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