Autor Thema: Werner Bartens - Was hab ich bloß? Die besten Krankheiten der Welt  (Gelesen 2274 mal)

Helluo Librorum

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Helluo Librorum präsentiert aus der Reihe "Bücher, die man gelesen haben muss":

Werner Bartens - Was hab ich bloß? Die besten Krankheiten der Welt (Mit über hundert Beipackzetteln zu den wichtigsten Beschwerden und Verhaltensweisen für Ärzte und Patienten)


Genre: (Humoristischer) Ratgeber Gesundheit
Seiten: 256
Verlag: Droemer Knaur
ISBN-10: 342627244X
ISBN-13: 978-3426272442


Werden wir einfach immer kränker oder erfinden wir unsere Krankheiten immer häufiger selbst? Das ist eine der Fragen, denen Werner Bartens in seinem Buch "Was hab ich bloß? Die besten Krankheiten der Welt" nachgeht.

Dem Autor ist ein Buch gelungen, das vor allem kurzweilige Unterhaltung verspricht und des Öfteren zum Schmunzeln verleitet, hier und da aber auch bewusst zum Nachdenken anregt.

Wer schon immer einmal etwas über die heutigen Modekrankheiten in Erfahrung bringen wollte, sollte bei diesem Buch unbedingt zugreifen. Es mutet fast schon als Pflichtkauf für alle notorischen Blaumacher dieser Welt an, welche sich nur zu gerne den Fakt zu Nutzen machen, dass fast jeder zweite Patient, der in einer Arztpraxis vorstellig wird, mit einer Krankheit aufwartet, die man gar nicht richtig nachweisen kann.

"Was hab ich bloß? Die besten Krankheiten der Welt" ist das mir bisher einzige bekannte Buch, das zwar von etwas sehr ernstem wie dem Thema "Krankheiten" handelt, jedoch vielen davon sogar etwas abzugewinnen versteht.

Dabei trifft Wener Bartens es mit seinen Beobachtungen häufig genau auf den Punkt, wird dabei aber zum Glück nie wirklich (persönlich) verletzend.

Wer aus eigener Erfahrung dazu neigt, immer alles bierernst zu nehmen, der sollte unbedingt von der Lektüre dieses Buches Abstand nehmen. Denn diese strotzt geradezu vor lauter Ironie und Zynismus.

Ich möchte vorab aus persönlichem Interesse darauf hinweisen, dass meine Buchempfehlung sich dem Niveau des Buches bewusst anpasst: also bitte nicht alles so ernst nehmen! (Das gilt vor allem meiner Chefin!  ;D)

Es ist übrigens auch nicht alles, was in diesem Buch behandelt wird, eine reale Krankheit. Mit vielen dieser „Krankheitsbilder“ sollte man natürlich besser nicht bei seinem Arzt vorstellig werden, auch wenn es mich persönlich durchaus brennend interessieren würde, wie die Reaktion des Arztes ausfällt, wenn man es doch tut. Insbesondere auf dessen Gesichtsausdruck in solchen Momenten wäre ich in höchstem Maße gespannt.

„Was hab ich bloß? Die besten Krankheiten der Welt“ bietet einen wunderbaren Mix aus Krankheiten aller Art, aus dem man sich morgens, wenn man sich völlig lustlos aus dem Bett quält und sich lieber die Zeit in einem vollen Krankenzimmer vertreiben möchte, als zur lästigen Arbeit zu gehen, einfach nur noch die passende Krankheit aussuchen muss.

Passend zu jedem Krankheitsbild gibt es dann auch noch den entsprechenden "Beipackzettel". Dem praktischen Beiwerk kann man dann entnehmen, was die auffälligsten Symptome dieser Krankheit sind, wer die typische Zielgruppe ist, bzw. wo sie sich am ehesten verbreitet, welche Vor- und Nachteile die Krankheit bietet und welchen "Nutzwert" sie in der praktischen „Anwendung“ aufweist.

Nebenbei wird zu jedem Krankheitsbild dessen Geschichte erzählt und der Autor liefert entsprechende Hintergrunddaten.

Wetten, dass auch Sie sich beim Lesen dieses Buches früher oder später wiedererkennen werden? Vermutlich nicht nur einmal, wie ich meinen möchte.

Wie ich immer so schön zu sagen pflege: Das einzige, was mich an meiner Arbeit wirklich stört, sind die vielen Tage zwischen den einzelnen Urlauben!  ;)

Daher beneide ich auch alle Menschen, die sich des unverschämten Glücks rühmen dürfen, von Natur aus das Talent in die Wiege gelegt bekommen zu haben, sich Krankheiten derart gut einzubilden, dass sie schon selbst des festen Glaubens sind, von einer Krankheit geplagt zu werden. Ihnen fällt es dann sicherlich alles andere als schwer, ihrem Arzt ein überzeugendes Schauspiel darzubieten.

Für alle bemitleidenswerten Menschen, denen genau dies nicht so leicht fällt, schreibe ich diese Buchempfehlung und verrate auch gerne, warum ich das tue und wie einem dieses Buch in Zukunft hoffentlich große Dienste erweisen wird.

Nichts ist auffälliger, als wenn ich mich endlich mal wieder einen Tag oder besser noch länger krankschreiben lassen möchte und ich nur über zwei oder drei Krankheiten in meinem Repertoire verfüge. Auch meine Verwandten können ja leider nur einmal sterben. Hochzeiten funktionieren da bekanntermaßen schon wesentlich besser, aber ich kann ja meine Schwester relativ schlecht innerhalb von drei Jahren zum vierten Mal verheiraten.  :(

Leider wird es mir aber auch wahrlich nicht leicht gemacht, wenn ich einfach mal wieder auf der faulen Haut liegen möchte und am Ende des Monats das wohlverdiente Gehalt trotzdem den Weg auf mein Konto finden soll.  :'(

Es mutet aber auch geradezu als Frechheit an, dass meine Arbeitgeberin meint, nur weil sie einem Monat für Monat ein lächerlich geringes Gehalt, dass nie an das heranreichen kann, was ich wirklich verdient hätte, überweist, dass ich es ihr deswegen schuldig wäre, Arbeitstag für Arbeitstag pünktlich zu erscheinen, 100% Leistung zu bringen und dabei noch nicht einmal meine Pausen zu überziehen.  :(

Für wen hält die sich eigentlich?

Glaubt die ernsthaft, dass ich hier auch nur eine Sekunde lang freiwillig arbeiten würde, wenn ich eine Wahl hätte?  ;D

Wenn der Staat mir jeden Monat 2.000 Euro überweisen würde, könnte meine Chefin gar nicht so schnell gucken, wie ich ihr meine Kündigung auf den Schreibtisch werfe und mich mit einer hämischen Bemerkung auf Nimmerwiedersehen verabschiede. Das letzte, was sie dann von mir sehen würde, ist ein Blick auf meinen Allerwertesten. Mit heruntergelassener Hose! (versteht sich ja wohl von selbst)  8)

Alleine wenn ich nur daran denke, wie viele Jahre ich noch bis zur Rente arbeiten muss, spüre ich schon einen größeren Brechreiz in mir aufsteigen und wünsche mir schnell einen Eimer herbei. Aber im Umkehrschluss heißt das auch, dass ich mir ebenso viele eingebildete Krankheiten einfallen lassen muss, um auch in Zukunft regelmäßig Ausreden zu haben, um der ungeliebten Arbeit fernbleiben zu können, ohne dabei Konsequenzen fürchten zu müssen.

Wenn das nicht auch schon wieder nach jeder Menge Arbeit riecht!  :o

Aber was sein muss, muss eben sein. Von nichts kommt bekanntermaßen auch nichts und wer das eigene Heim der Arbeit vorzieht, der muss eben auch einmal etwas Zeit und Mühen darin investieren, wie man möglichst oft, aber zugleich auch möglichst unverdächtig der Liste seiner Krankheitstage einen weiteren Strich hinzufügen kann.

Aber welche Krankheiten eignen sich denn nun am besten, um mal wieder so richtig schön die Arbeit zu schwänzen?

Da kommt es natürlich auf mehrere Faktoren an. Zu berücksichtigen sind unter anderem das Geschlecht, das Alter, das Gewicht und der Beruf.

Wenn man aber aktuell gar kein Leiden hat und einem lediglich der Sinn nach einigen zusätzlichen freien Stunden steht, dann muss man sich dringend etwas einfallen lassen, was einem der Arzt nicht so leicht widerlegen kann.

Genau darum geht es (unter anderem) in diesem Buch.

Hier sollte wirklich jeder Arbeitsunwillige das perfekte Krankheitsbild für den nächsten Arztbesuch finden!

In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen allen noch jede Menge wundervoller "Krankheitstage".  ;)

Hinweis

Rechtschreibung und Grammatik wie immer ohne Gewähr!  ;)
« Letzte Änderung: 30. Nov. 2012, 10:32:28 von Helluo Librorum »
"Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill


 

     
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