Autor Thema: Johannes Mario Simmel  (Gelesen 2583 mal)

Helluo Librorum

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Johannes Mario Simmel
« am: 02. Okt. 2012, 13:54:54 »
Johannes Mario Simmel erblickte am 7. April 1924 in Wien das Licht der Welt.

Sein Vater war Chemiker und seine Mutter arbeitete als Lektorin in einem Filmverlag.
Nach dem erfolgreich bestandenen Abitur absolvierte Simmel eine Berufsausbildung zum Chemieingenieur.

Mit seiner Sammlung von Novellen namens „Begegnung im Nebel“ wurde Johannes Mario Simmel der breiten Masse bekannt. Diese wurde zwar erst 1947 veröffentlicht, aber geschrieben hatte er sie bereits im Alter von 17 Jahren.

Im Jahre 1948 wurde Simmel bei der „Welt am Abend“ der jüngste Kulturredakteur aller Zeiten in Österreich. Dort schrieb er als Redakteur in dem Resort Kultur Feuilletons und Filmkritiken.

Ab dem Jahr 1950 schrieb er dann für die bekannte Münchener Illustrierte „Quick“.
Seinen ersten großen Erfolg konnte Simmel dort mit dem in 66 Ausgaben erschienenem Fortsetzungsroman „Es muss nicht immer Kaviar sein“ (1960) feiern. Darin geht es um einen Geheimagenten im Zweiten Weltkrieg, der diesen Dienst eher widerwillig verrichtet. Als Reporter flog er quer durch die Welt und galt als einer der bestbezahlten Autoren einer Illustrierten.

Im Jahre 1960 wusste Simmel auch mit dem Theaterstück „Der Schulfreund“ die Massen weltweit zu begeistern.

Der Autor  hat insgesamt 27 Romane, 5 Erzählungen und 6 Kinder- und Jugendbücher verfasst. Davon hat er weltweit mehr als 72 Millionen Exemplare verkaufen können. Sie wurden in 35 Ländern veröffentlicht und in 30 Sprachen übersetzt.

Angeblich stand Simmel mit insgesamt elf seiner Romane sogar länger auf der Bestsellerliste des „Spiegel“ als die beiden Nobelpreisträger Heinrich Böll und Günter Grass.


Johannes Mario Simmel hat zwischen den Jahren 1950 und 1962 Drehbücher zu insgesamt 36 Filmen geschrieben. Dazu zählen unter anderem:

„Es geschehen noch Wunder“ (1951 / mit Hildegard Knef)

„Tagebuch einer Verliebten“ (1953 / mit Maria Schell)

„Die Hexe“ (1954 / mit Karlheinz Böhm)

„Robinson soll nicht sterben“ (1957 / mit Romy Schneider)

„Madeleine und der Legionär“ (1958 / mit Hildegard Knef)



Einige Filme sind auch nach der Vorlage eines von Simmels Büchern entstanden, beispielsweise:

„Mein Schulfreund“ (1960 / mit Heinz Rühmann)

„Es muss nicht immer Kaviar sein“ (1961 / mit Senta Berger)

„Diesmal muss es Kaviar sein“ (1961 / mit Senta Berger)

„Und Jimmy ging zum Regenbogen“ (1971 / mit Horst Tappert)

„Der Stoff, aus dem die Träume sind“ (1972 / mit Hannelore Elsner)

„Lieb Vaterland magst ruhig sein“ (1976 / mit Günter Pfitzmann)

„Die wilden Fünfziger“ (1983 / mit Christine Kaufmann)

„Mich wundert, dass ich so fröhlich bin“ (1983 / mit Klausjürgen Wussow)

„Bitte lasst die Blumen leben“ (1986 / mit Klausjürgen Wussow, Hannelore Elsner und Radost Bokel)

„Und Jimmy ging zum Regenbogen“ (2008 / mit Heino Ferch ; Remake des Films aus dem Jahre 1971)

„Gott schützt die Liebenden“ (2008 / mit Iris Berben)

„Niemand ist eine Insel“ (2011 / mit Iris Berben)



Außerdem hat der Autor auch ein paar Kinder- und Jugendbücher, wie z.B. „Von Drachen, Königskindern und guten Geistern.“ (1950) oder „Ein Autobus, groß wie die Welt. Ein Reiseerlebnis voll Spannung für Buben und Mädel.“ (1951) geschrieben.


Als seine bekanntesten Romane und Erzählungen sind vor allem folgende zu nennen:

„Begegnung im Nebel.“ (1947)

„Niemand ist eine Insel.“ (1948)

„Der Mörder trinkt keine Milch. Ein Kriminalroman.“ (1950)

„Man lebt nur zweimal.“ (1950)

„Es muss nicht immer Kaviar sein.“ (1960)

„Bis zur bitteren Neige.“ (1962)

„Und Jimmy ging zum Regenbogen.“ (1970)

„Hurra, wir leben noch.“ (1978)

„Wir heißen euch hoffen.“ (1980)

„Die im Dunkeln sieht man nicht.“ (1985)



Seine Leser lieben Simmel unter anderem auch dafür, dass er immer wieder den Mut findet, gesellschaftliche Missstände anzuprangern. Beispiele hierfür sind unter anderem:

„Liebe ist nur ein Wort" (1963 / selbstgefällige Oberschicht)

„Und Jimmy ging zum Regenbogen" (1970 / biologische Massenvernichtungswaffen ; Doppelmoral)

„Der Stoff, aus dem die Träume sind" (1971 / Regenbogenpresse ; Sensationsgeilheit)

„Doch mit den Clowns kamen die Tränen" (1987 / Klonen ; Wissenschaft)

„Im Frühling singt zum letzten Mal die Lerche" (1990 / Umweltzerstörung)


Simmel hat sich stets sehr kritisch gegenüber den Medien und skeptisch gegenüber dem Fortschritt gezeigt. Er hatte den Ruf des ewigen Moralisten inne.

Doch trotz der Ernsthaftigkeit seiner Themen verstand er es immer wieder aufs Neue, seine Bücher unterhaltsam zu schreiben.

Johannes Mario Simmel wurde wegen der Veröffentlichung mancher Romane, in denen er über das Dritte Reich schrieb, von Neonazis angefeindet. (z.B. „Träum den unmöglichen Traum“ oder „Die Bienen sind verrückt geworden“).

Er besaß sogar den Mut, in einer seinem Roman vorangestellten Bemerkung seinen „Hass auf die Nazis“ offen und in aller Deutlichkeit zu verkünden.

Simmel selbst sah sich in diesem Zusammenhang jedoch auch sehr selbstkritisch. Er fühlte sich in gewissem Maße mitschuldig an der Grausamkeit des Zweiten Weltkriegs, da er ab dem Jahre 1943 in einem kriegswichtigen Betrieb als Elektromechaniker seine Arbeit verrichtet hatte.

Wohingegen die US-Militärregierung seine Schuld als so gering ansah, dass man Simmel, der einen Teil seiner Kindheit in England verbracht hatte, sogar als Dolmetscher einsetzte.

Während er also fortan als Übersetzer arbeitete, schrieb er seinen ersten richtigen Roman, „Mich wundert, dass ich so fröhlich bin“ (1949).

Noch im hohen Alter kämpfte Simmel gegen den wieder stark zunehmenden Rechtsradikalismus.

Ein Grund für seine überdurchschnittlichen Antipathie gegen über dem Rechtsradikalismus war sicherlich auch, dass während Simmels Vater, ein Jude, es gerade noch schaffte, vor den Nazis nach London zu fliehen, viele seiner Verwandten von Hitlers Vollstreckern ermordet worden sind.

Im Jahre 1996 gewann er vor Gericht einen Rechtsstreit gegen den rechtsgerichteten österreichischen Politiker Jörg Haider. Simmel wurde üble Nachrede vorgeworfen. Das Gericht befand jedoch, dass Haider selbst zu den getätigten Äußerungen Anlass gegeben habe.

Simmel verlor einen weiteren Rechtsstreit, den er gegen seinen Schriftstellerkollegen Michael Burk führte. Dieser bediente sich nämlich des gleichen Stils und der gleichen Aufmachung, um seine Bücher besser absetzen zu können.

Was haben Johannes Mario Simmel und die Bild-Zeitung gemeinsam? Beide wurden, bzw. werden häufig verspottet, aber trotzdem gehören sie zu den meistgelesenen Autoren, bzw. Zeitungen in Deutschland.

Wie Simmel einst in einem Interview mit dem „Spiegel“ selbst zugab, schmerzte es ihn sehr, dass er mit seinen Büchern bei den Kritikern so gut wie keinen Anklang finden konnte.

Er wurde von ihnen als Autor, der Bücher wie am Fließband schreibt, verpönt und fand erst im Jahre 1987 mit seinem Roman „Doch mit den Clowns kamen die Tränen“ auch bei einigen Kritikern Anerkennung.

Marcel Reich-Ranicki zählt zu den wenigen Kritikern, die Simmel gegenüber positiv gestimmt sind. „Dieser habe wie kaum ein anderer zeitgenössischer Autor einen fabelhaften Blick für Themen, Probleme, Motive".


Im Laufe seiner Karriere wurden Johannes Mario Simmel verschiedene Ehrungen zuteil. Dazu zählen unter anderem:

„Erster Preis beim Dramatikerwettbewerb Mannheim“ (1959)

„Kulturpreis der deutschen Freimaurer“ (Lessing-Ring / 1981)

„Goldenes Ehrenzeichen der Stadt Wien“ (1984)

„Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse“ (1992)

„Hermann-Kesten-Medaille“ (1993)

„Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“ (2004)

„Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ (2005)

„Benennung der Simmelgasse in Wien Floridsdorf“ (2011)



Der Erfolgsautor hat insgesamt dreimal geheiratet. Über seine Frauen und eventuelle Kinder konnte ich bei meiner Recherche leider nichts finden.

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte der Autor in der Schweiz, wo er am Neujahrstag des Jahres 2009 in einer Seniorenresidenz nahe der Stadt Zug in der Schweiz im Alter von 84 Jahren verstarb.

« Letzte Änderung: 11. Okt. 2012, 20:58:59 von Astrid »
"Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill


 

     
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