Autor Thema: Stephen King - Das Spiel (Auch etwas für King-Kritiker!)  (Gelesen 2397 mal)

Helluo Librorum

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Da das Buch sowohl ein Thriller als auch ein Horrorroman ist, habe ich es in beiden Kategorien eingestellt.

Helluo Librorum präsentiert aus der Reihe "Bücher, die man gelesen haben muss":

Stephen King - Das Spiel


Genre: Horror / Psycho-Thriller
Seiten: 411
Verlag: Heyne
ISBN-10: 3453088247
ISBN-13: 978-3453088245

Zitat

"Psychologischer Horror vom Feinsten." (The New York Times )

Autor & Buch (Allgemeines)

„Das Spiel“ gehört für viele Fans von Stephen King zu den besten Büchern, die er bisher geschrieben hat. Obwohl man es als „Horror“ deklariert, ist es in meinen Augen doch eher als ein Psycho-Thriller anzusehen, wenn auch zugegebenermaßen mit unübersehbaren Horrorelementen versehen.

Viele potentielle Leser schreien alleine schon bei der Verkündung seines Namens genervt auf und erwarten daher für sie erwartungsgemäß nichts Gutes. Jedoch ist „Das Spiel“ ein für den Meister des Horrors äußerst ungewöhnliches Buch und sollte daher durchaus auch Anklang bei einigen seiner Kritiker finden können. „Das Spiel“ ist tatsächlich dermaßen anders geraten, dass man sich fast schon die (natürlich unsinnige) Frage stellt, ob Stephen King es denn überhaupt selbst geschrieben hat. Man sollte ihm meiner persönlichen Meinung nach zumindest eine (weitere) Chance geben. Verdient hat er es sich Dank dieses Buches ohne jeden Zweifel.

„Das Spiel“ gehört zu den leider viel zu seltenen Büchern, die man so schnell nicht wieder vergessen wird, die mit voller Wucht nachhallen. Auch wenn man sich wahrscheinlich nur zu gerne wünschen würde, dass man es schnell vergessen machen kann.

Handlung

Frei von Spoilern - Es wird nichts Wichtiges verraten, was man nicht auch dem Klappentext entnehmen könnte!

Gerald und Jessie verbringen das Wochenende gemeinsam in einem einsam gelegenem Sommerhaus. Dort wollen sie ihre im Alltag des Ehelebens eingeschlafene sexuelle Beziehung wieder etwas auffrischen. Gerald möchte dafür eine neue Spielart des BDSM ausprobieren und fesselt seine Frau ans Bett.

Diese kann sich zwar in keinster Weise für die „perversen“ Phantasien ihres Mannes erwärmen, lässt sich aber erst einmal darauf ein. Als es sich Jessie im letzten Moment doch noch anders überlegt und wieder von ihren Fesseln befreit werden möchte, ist Gerald bereits viel zu sehr erregt und in dem sexuellem Spiel drin, um damit einfach so aufhören zu können.

Jessie sieht sich nunmehr kurz davor, Opfer einer ehelichen Vergewaltigung zu werden und gerät demzufolge in Panik. Infolge ihres verzweifelten Widerstands verpasst sie ihrem Mann einen Tritt in seine Weichteile, welcher ihn rückwärts vom Bett katapultieren lässt. Was alleine noch nicht weiter tragisch wäre, jedoch erleidet Gerald plötzlich einen Herzinfarkt und stirbt an Ort und Stelle.

Dumm nur, dass Jessie immer noch hilflos am Bett gefesselt ist. Die Schlüssel zu den Handschellen befinden sich weit außerhalb ihrer Reichweite und zu dieser Jahreszeit verirrt sich normalerweise auch keine Menschenseele in diese Gegend. Hilferufe sind daher zwecklos. Tragischerweise weiß zudem auch niemand darüber Bescheid, dass sich das Ehepaar an diesem Wochenende an diesem Ort aufhält.

Es beginnen quälend lange Stunden, die immer mehr in einen wahren Alptraum ausarten. Jessie ist alleine mit ihren Gedanken und versucht verzweifelt einen Ausweg aus dieser mehr als misslichen Lage zu finden.

Als plötzlich ein streunender Hund und auch noch mysteriöse Schatten ins Spiel kommen, verstärkt sich nicht  nur Jessies Todesangst, sondern sie muss auch darum kämpfen, nicht plötzlich völlig ihren Verstand zu verlieren. Ist Jessie etwa doch nicht so allein, wie sie eigentlich dachte? Am meisten zehrt an ihr die Angst, dass sie verdursten könnte. Dabei lacht sie doch das Glas verlockend frischen Wassers nahezu höhnisch grinsend an.

Charaktere

Wir erfahren die Erlebnisse aus der Sicht der Jessie, welche nach dem überraschenden Ableben ihres Mannes die einzige Romanfigur ist. So können wir uns schnell und leicht in sie hineinversetzen, ihre Gedanken nachvollziehen und ihre Gefühle teilen.

Wahrscheinlich schließt man Jessie sehr schnell in sein Herz, fiebert bis zum Schluss mit ihr mit und wünscht ihr und uns ein gutes Ende dieser Geschichte.

Stephen King entführt uns zwischendurch immer wieder in die Vergangenheit von Jessie, die einiges erklärt, aber auch immer wieder weitere, neue Fragen aufwirft.

Dadurch, dass sie zunehmend unter Halluzinationen zu leiden scheint, kann man nicht immer so leicht zwischen Realität und Wahnsinn unterscheiden. Man glaubt nahezu, die Stimmen in ihrem Kopf hören zu können.

Atmosphäre & Schreibstil

Einstieg:

Für Bücher, die aus der Feder von Stephen King entsprungen sind, ist es eigentlich fast schon normal, dass man sich quälend lange durch das Buch kämpfen muss, bis man endlich einen guten Einstieg in die Geschichte gefunden hat. „Das Spiel“ bildet hierbei dankenswerterweise eine Ausnahme.

An dieser Stelle möchte ich auch gerne auf Richard Laymon verweisen, bei dem man in nahezu jedem Buch einen sehr schnellen und leichten Einstieg findet. Stephen King zählt sich selbst übrigens zu den größten Fans des leider bereits verstorbenen Autoren, der inoffiziell als der wahre Meister der Horrorliteratur gilt.

Spannung:

Ich war ehrlich gesagt positiv überrascht darüber, dass eine Geschichte mit dieser Länge nicht sehr schnell langweilig wird, in der nichts weiter als der Überlebenskampf einer an ein Bett gefesselten Frau geschildert wird.

Es beginnt eigentlich alles recht harmlos, aber dann steigert sich die Spannung stetig.

Stephen King raubt einem schier den letzten Atem. Er zieht seine Leser wie selten (oder nie) zuvor gekonnt in seinen Bann.

So schafft man es dann auch kaum, das Buch wirklich einmal aus der Hand zu legen. Die Bezeichnung „Pageturner“ hat es sich damit wahrlich mehr als verdient. Viele werden es wahrscheinlich sogar in einem Rutsch durchlesen.

Emotionen & „Ekelfaktor“:

Stephen King schildert die unsägliche Situation von Jessie absolut schonungslos und offen. Was besonders in zwei Szenen dazu führen könnte, dass es einem zu viel wird und man vielleicht sogar völlig angeekelt vorübergehend das Buch zur Seite legt, um sich erst einmal wieder davon zu erholen.

Um welche beiden Szenen es hierbei geht, werde ich der Spannung halber natürlich nicht verraten. Aber Sie werden während des Lesens sicherlich nur zu leicht herausfinden können, worauf ich hiermit Bezug genommen habe.

Die beklemmende Atmosphäre der Geschichte lässt sich mir unweigerlich die Frage stellen, ob man das Buch überhaupt noch verstörender hätte schreiben können? Wer sich hier nicht ängstigen kann, ist wahrscheinlich keinerlei Emotionen mehr fähig.

„Das Spiel“ ist definitiv nur für Leute mit starken Nerven eine unbedingte Leseempfehlung. Wohingegen eher zartbesaitete Gemüter sollten besser die Hände von diesem Buch lassen sollten.

Der Angstschweiß könnte einem beim Lesen möglicherweise kalt den Rücken runterlaufen. Dies ist wahrlich Psychohorror par excellence und somit muss man es dann mit Fug und Recht als „Harte Lesekost“ bezeichnen.

Ich hoffe aufrichtig, dass dieses Buch nicht manchen von ihnen noch lange Zeit nach dem Lesen in seinen Alpträumen verfolgen wird.

Sprache:

Stephen King bedient sich ob der Thematik des Buches der ihr angemessenen Sprache. Wie diese dann im Detail ausfällt, kann sich ja wohl jeder nur zu gut vorstellen. Wer sich daran stört, sollte besser auf diese Lektüre verzichten.

Ende:

Das (verlängerte) Ende des Buches ist wie fast immer im Leben sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Aber alleine alles das, was zuvor passiert ist, sollte auch für ein möglicherweise als eher schlecht befundenes Ende entschädigen.

Nachbemerkungen

Als besonders beängstigend empfinde ich den Grundgedanken dieser Geschichte. Denn diese ist nicht, wie sonst so häufig bei Stephen King, weit hergeholt, sondern so etwas könnte im Prinzip jedem passieren, der sich für Bondage interessiert. Somit stellt man sich unweigerlich die Frage, wie man selbst in solch einer Situation reagieren würde. Das verstärkt die Intensität dieses Romans in meinen Augen nur noch weiter.

Wenn man tatsächlich solche Sexspiele ab und an praktiziert, dann ist diese Lektüre wohl keine, die man bedenkenlos seiner „Must-Read-Liste“ hinzufügen sollte. Denn ansonsten könnte man möglicherweise sehr schnell den Spaß am geliebten Bondage verlieren.

Noch weniger zu empfehlen wäre dieses Buch natürlich, wenn man selbst einmal Opfer von sexuellem Missbrauch war. Dann könnte man leicht Gefahr laufen, das Trauma noch einmal zu durchleben.

Für Menschen jedoch, die sich leicht in solche Situationen hineinversetzen können gerät dies sicherlich zu einem höchst beeindruckenden Leseerlebnis.

Schlusswort

Wundert euch bitte nicht, falls ihr während des Lesens immer wieder einmal einen nervösen Blick auf eure Handgelenke werft, um euch zu vergewissern, dass ihr selbst nicht gerade gefesselt seid.

Hinweis

Rechtschreibung und Grammatik wie immer ohne Gewähr!
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« Letzte Änderung: 22. Aug. 2012, 19:50:37 von Helluo Librorum »
"Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill


 

     
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