Autor Thema: Kommentar: In diesen Zeiten von Corona  (Gelesen 120 mal)

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Kommentar: In diesen Zeiten von Corona
« am: 25. Mär. 2020, 12:53:10 »
Kommentar:

In diesen Zeiten von Corona

Ich schlafe schlecht und die ganze Lage verunsichert mich zutiefst: immerhin sind auch wichtige Grundrechte stark
eingeschränkt worden. Kontakte sollen vermieden werden, Versammlungen sind auf zwei Personen beschränkt. Alles
ist strafbewährt. Geschäfte und ganze Produktionen sind geschlossen. Vielen Menschen ist es untersagt, ihrer Arbeit
nachzugehen. Geldsorgen kennen wohl die meisten, jetzt kommt aber noch etwas ganz anderes dazu, etwas, dass viele
so noch gar nicht kennen: Existenzangst. Auf einmal können Menschen ihre Miete nicht mehr bezahlen. Sie haben kein
Geld mehr für das Notwendigste. Die Lebensmittel-Tafeln haben geschlossen, wo bekommt man jetzt etwas zum Essen
her. Über 2 Millionen Menschen in Kurzarbeit, das heißt definitv weniger Geld. Normalerweise liegt das Kurzarbeitergeld
bei 60% des durchschnittlichen Nettoentgelds. Die Kosten für Kredite, Unterhalt etc. laufen vorerst weiter. Über eine Million
Menschen zusätzlich in Hartz IV. Es ist vermutlich zulässig, anzunehmen, dass viele von denen das Hartzsystem auch so
schnell nicht wieder verlassen werden. Das ist eine hohe gesellschaftliche Belastung. Auch finanziell, aber das meine ich
hier nicht. Zumindest nicht in erster Linie.

Danach sind wir schlauer

Wer dazu jeden Tag die Zahlen zu den Infizierten und Verstorbenen verfolgt und sich fragt, ob alle von den Regierungen
getroffenen Maßnahmen notwendig, richtig und angemessen sind und ob das Mögliche getan wird, muss irgendwann schlicht
passen. Die Lage ist einfach zu komplex. Es ist aber auch immer so, dass man erst danach genau sagen kann, warum man
schlecht oder gut vorbereitet war, was richtig war, was nicht so gut gelaufen ist und was unbedingt verbessert werden muss,
z.B.: Frühwarnnetzwerke, Notfallpläne, auch für das Gesundheitssystem (Epidemien), bundesweiter Krisenstab, Krisenfonds u.a.m..

„Geld ohne Ende“ - die Unsicherheit bleibt

Es werden extrem viele Geldmittel zur Verfügung gestellt. Deutschland ist, was das angeht, in einer weitaus besseren Lage, als
einige andere Länder, die schon vor der Krise enorm verschuldet waren. Die vielen Gelder helfen natürlich. Das hilft großen und
kleinen Unternehmen zu überleben. Das hilft Solounternehmer*innen, Künstler*innen und anderen Selbständigen zu überleben.
Was aber wird mit den vielen sozialen Einrichtungen, mit Verbänden und Vereinen: gerade auch hier ist die Unsicherheit groß und
vielen steht das Wasser bis zum Hals. Im Non-Profit Bereich sind nennenswerte Rücklagen eher die Ausnahme. Hilfen soll es zwar
auch hier geben, aber werden diese ausreichend sein und bekommen sie auch alle?

Es wird anders sein

Eines jedoch kann man mit Sicherheit sagen, so wie es vor Corona war, wird es danach nicht mehr werden. In solchen Krisen
schichten sich auch viele wirtschaftliche Werte um, das lässt sich gar nicht vermeiden. Macht- und Marktgefüge verändern sich,
es wird – ob man es will oder nicht, Verlierer und Gewinner geben. Wie wird sich das alles auf den sozialen Frieden auswirken?
Niemand weiß, wie lange diese Krisensituation noch anhalten wird. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) heißt es, wir würden erst
am Anfang der Epidemie stehen. Es steht also zu befürchten, dass wir noch länger unter den verschärften Bedingungen leiden
werden und dass es durchaus noch schlimmer kommen könnte. Und niemand weiß, wie es nach dem Ende dieser Krise weitergeht.

Ich sage „danke“

Natürlich ist es unbedingt dankenswert, was die Menschen im Gesundheits- und Lebensmittelsektor jetzt leisten. Es gibt aber auch
noch so viele andere Menschen, die etwas tun. Ich möchte hier allen „Danke“ sagen. Allen, die solidarisch sind. Allen, die sichere
Abstände zu ihren Mitmenschen einhalten. Allen, die bewusst einkaufen. Allen, die Menschen in Not helfen. Allen, die sich Gedanken
machen, wie wir unser Leben und diese Welt mit den gemeinsamen Erfahrungen aus einer solchen Krise menschlich, sozial, ökologisch
und ökonomisch nachhaltiger gestalten können. Ich möchte aber auch besonders denen danken, die jetzt nicht arbeiten dürfen, die zu
Hause sitzen müssen. Oft alleine oder in ständiger Angst vor häuslicher Gewalt. Ihnen möchte ich danken, dass sie ihren Mut nicht verlieren
und, dass sie optimistisch bleiben: trotz allem – denn eines ist gewiss: es wird auch eine Zeit nach dieser Krise geben. Steht zusammen und
bleibt gesund.




 

     
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