Autor Thema: WTM mit dabei: "Soziale Stadt" Sahlkamp-Mitte in Hannover  (Gelesen 61 mal)

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Nachhaltig und sozial: Kinder formen mit WTM-Sozialpädagogen Samenkugeln.               
                                                                         Fotocredit: (c) Simon Slipek


„Sahlkamp-Mitte“:

Von der „Märchenstadt“ zum „sozialen Brennpunkt“ zum "bunten Stadtteil"


Das ist der Weg, den dieser Stadtteil seit den 1970er Jahren geht. Damals zogen
junge Familien in den Grüngürtel der Stadt Hannover. Fehlleistungen der Stadtplaner bahnten
schließlich den Weg ins „Ghetto“. Seit 10 Jahren ist man in Hannover stark bemüht, das
„Sanierungsgebiet“ wieder zu einem lebenswerten Stadtteil zu entwickeln. Dank sehr hoher
 Bürgerbeteiligung gelingt das recht erfolgreich. Zuletzt wurde dort der Stadteilparks in der
Schwarzwaldstraße als Herzstück im sogenannten "Sanierungsgebiet" neu eröffnet. Der
Werkstatt-Treff Mecklenheide e.V. (WTM) betreibt als substantiellen und langfristigen Beitrag
im Stadtteil ein Sozialkaufhaus und bietet dort Arbeitsgelegenheiten und unter dem Motto
„Gebrauchtes neu erleben“ hochwertige Waren zu günstigen Preisen.


Sahlkamp-Mitte ist offiziell im Jahr 2009 zum Sanierungsgebiet deklariert worden. Das war der
Beginn eines langen Sanierungsprozesses, der auch heute, zehn Jahre später, noch nicht
abgeschlossen ist. Unter dem Motto: „Soziale Stadt“ sind in dieser Zeit viele kleinere und größere
Projekte als Teil einer Gesamtstrategie umgesetzt worden. Die Leitung des Sanierungsverfahrens
liegt beim Fachbereich Planen und Stadtentwicklung im Sachgebiet Stadterneuerung der Stadt Hannover.
Im Rahmen der Gesamtstrategie wurde zuletzt Anfang Juni 2019, der Stadtteilpark in der
Schwarzwaldstraße neu eröffnet. Die Sanierung und der Umbau des 13.000 m² großen Geländes
haben 750.000,- € gekostet. Finanziert wurde das Projekt durch Städtebaufördermittel aus dem
Sanierungsprogramm "Soziale Stadt". Die Summe wurde zu gleichen Teilen von Stadt, Land und
Bund übernommen.
Bürgermeisterin Regine Kramarek hat den Park zur Nutzung freigegeben und dabei betont: „Die
Neugestaltung hat diesen Park enorm aufgewertet und ihn für die AnwohnerInnen noch attraktiver
gemacht“. Sie, Kramarek, freue sich, dass sich mehr als 200 Menschen aller Altersgruppen an dem
vorausgegangenen Beteiligungsprozess engagiert hätten. Eine so große Beteiligung, ergänzt die
Bürgermeisterin, spräche dafür, dass der Park von den BewohnerInnen in der Nachbarschaft künftig
in großem Maße genutzt werde. Anschließend wurde die Eröffnung mit einem Fest gefeiert.

Werkstatt-Treff Mecklenheide lernt mit Kindern

Der Werkstatt-Treff Mecklenheide e.V. (WTM) hat sich mit einer Aktion für Kinder daran beteiligt. Der
WTM betreibt in Hannover u.a. vier Sozialkaufhäuser, eines davon direkt im Sahlkamp. Da war es für
den WTM selbstverständlich sich aktiv einzubringen, ist doch die soziale Integration der Kern-Aspekt
der Arbeit des WTM: seien es Kinder, Menschen aus sozial schwachem Umfeld, Menschen mit
Migrationshintergund, ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung. Insbesondere auf der
„Zielgruppe“ der Kinder war hier das Augenmerk des WTM gelegt. Ein zentraler Aspekt ist beim
WTM zudem „Nachhaltigkeit“.

Zwei Sozialarbeiter des Vereins haben sich eine zeitgemäße Aktion überlegt und organisiert: das
gemeinsame Herstellen von Samenkugeln. Die Zutaten: Jeweils eine Kinderhand voll Samen,
Tonerde und Wasser. „Die Samenkugeln ermöglichen es den Kindern, etwas über Pflanzen zu lernen
und geben ihnen auf spielerische Art und Weise die Möglichkeit ihre Umwelt aktiv mitzugestalten und
so zu verschönern“, sagt Ahmed Amor, einer der beiden beteiligten Sozialarbeiter und fügt hinzu,
„ganz unbürokratisch“.

Beim WTM denkt man nachhaltig und weiß, dass der Weg dahin geübt werden muss. Am besten beginnt
man damit im Kindesalter und die Samenaktion ist ein „idealer anschaulicher Ansatz“ findet Amor. „Es geht
um das ‚Machen‘, ganz so, wie bei den „Fridays for Future“ Demonstrationen“. 

Bundesprogramms „Soziale Stadt“

Der Umbau des Parks an der Schwarzwaldstraße ist Teil des Bundesprogramms „Soziale Stadt“. Mit
diesem Programm fördert der Bund soziale Brennpunkte mit finanziellen Mitteln. Der Sahlkamp gilt
als ein solcher sozialer Brennpunkt. Fast 50% der BewohnerInnen dieses Stadtteils leben von staatlichen
Transferleistungen (Strukturdaten Hannover). Bereits seit 2011 läuft die Förderung. Der Zufluss erheblicher
finanzieller Mittel, die strategische Organisation und vor allem auch die ungewöhnlich hohe Bürgerbeteiligung
haben dazu geführt, dass sich die Lebensqualität in dem Stadtteil inzwischen erheblich verbessert hat. Es
sind lebendige Nachbarschaften entstanden und der soziale Zusammenhalt ist gestärkt worden. Die
Menschen identifizieren sich wieder mit ihrem Lebensumfeld und pflegen eine ausgesprochene Willkommenskultur.

Das Programm „Soziale Stadt“ beinhaltet viele verschiedene Bereiche. So sind z.B. zahlreiche bauliche Programme
für Innen- und Außenbereiche aufgelegt worden. Dazu zählen z.B. die Arbeiten an Fassaden und
Eingangsbereichen einiger Häuser in der Spessartstraße (5 Millionen Euro). Die Liste der bereits
umgesetzten Veränderungen ist lang (1).

Aktive Bürgerinnen und Bürger

Die aktive Beteiligung der BürgerInnen ist in diesem langwierigen Prozess kaum zu überschätzen.
Es wurden gemeinsam Garten- und Straßenfeste organisiert, dazu Veranstaltungen ganz unterschiedlicher
Art, wie: Radtouren, Sahlkamp Charta, Stadteilbauernhof, Foto-Projekt etc. Eine Erfolgsgeschichte ist auch
die gemeinsame Nutzung von Flächen zum nachbarschaftlichen Anbau von Gemüse. Gerade dieser
Gemüseanbau ist eine Erfolgsgeschichte. Oft sind mehrere Generationen daran beteiligt. Auf diese Weise
wird Pflanzen-Wissen an Kinder und Jugendliche weitergegeben. Jugendliche, die als Stadtmenschen oft
nur sehr geringe Kenntnisse zu Pflanzenkunde haben und Erde, wenn überhaupt, und Pflanzen nur in
Plastik abgepackt und nicht selten kochfertig aus dem Supermarkt kennen.
Bei sozialen Brennpunkten, wie im Sahlkamp-Mitte, treffen erhebliche soziale Missstände mit wirtschaftlichen
und städtebaulichen Problemen zusammen. Aufgrund der Zusammensetzung und wirtschaftlichen Situation
der darin lebenden und arbeitenden Menschen sind diese Gebiete erheblich benachteiligt. Im Sahlkamp-Mitte
hat man vor zehn Jahren mutig einen neuen Weg beschritten. Dass heute von einem erfolgreichen Weg
sprechen kann, liegt an der guten Strategie, einem engagierten Quartiersmanagement, dessen Büro selbst
in der Schwarzwaldstraße liegt und besonders eben an der ungewöhnlich hohen Bürgerbeteiligung.

Der "neue" Stadtteilpark in der Schwarzwaldstraße bietet jetzt:

•   Spiel- und Aktionsinseln
•   Wiesenlandschaft von einem Rodelhügel und dem Birkenhain geprägt
•   Mehrgenerationen Fitnessgeräte
•   "Willkommensinseln" mit Schriftzug "Willkommen" ziert als "Street Tattoo" in 15 verschiedenen Sprachen den Bodenbelag aus Beton.
•   neue Blüteninseln an den Eingängen wurden mit Rosen
•   Schüler*innen der Grundschule Hägewiesen haben Vogelhäuser für den Park gebaut
•   die Internationalen Stadtteilgärten Hannover e.V. steuerten Insektenhotels für den Park bei, die in einem Projekt mit Geflüchteten   
     hergestellt wurden und die Nähgruppe hat Picknickdecken genäht.
•   Kletterspielgerät


(1)   Integrierte Entwicklungskonzepte "Soziale Stadt" "Sahlpamp-Mitte" und Sanierungszeitung: https://bit.ly/302qCUr   
        (abgerufen am 02.07.2019)




 

     
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