Autor Thema: Weltfahrradtag  (Gelesen 326 mal)

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Weltfahrradtag
« am: 31. Mai. 2019, 12:23:19 »

WTM-Mitarbeiter Michel mit gebrauchtem Panther-Tandem


Der 3. Juni ist Weltfahrradtag

Fahrradfahren hat Potential – Zukunft gestalten mit Fahrradfahren

Auch wenn Hannover im Fahrradklimatest 2019 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC)
bei Städten über 500.000 Einwohnern hinter Bremen den zweiten Platz belegt, ist das bei einer Note
von 3,77 alles andere als ein Indiz für eine fahrradfreundliche Stadt. Der Bundesdurchschnitt schneidet mit
einer Gesamtnote von 3,9 ab. Dabei gehen die Klagen der Fahrradfahrer immer in die gleiche Richtung:
zu wenige Fahrradstraßen, zu enge Fahrradwege, Bevorzugung des Autoverkehrs, zugeparkte Fahrradwege,
zu wenig Abstell-Stationen.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) anerkennt durchaus, dass sich die Stadt Hannover um
eine Verbesserung der Infrastruktur bemüht. Das ausgegebene Ziel, dass bis zum Jahr 2025 25% der
Wege mit dem Rad zurückgelegt werden sollen wird aber vermutlich nicht erreicht. Der Wert, so hört man
es aus den Reihen des ADFC, stagniere schon seit Jahren bei 19%.

Deutschland kein Fahrradland

Wer also glaubt, dass Hannover und auch Deutschland mit einigen guten Ansätzen schon auf
dem besten Wege zu einem Fahrradland sind, der sollte Mal in die Niederlande schauen. Dort ist der
Radverkehrsanteil (Cycling Modal Share) mit 27% etwa zweieinhalb Mal so hoch wie in Deutschland.
Hier sind es gerade Mal 11%. Die NiederländerInnen fahren im Jahr durchschnittlich über 1.000 km,
bei den Deutschen sind es gerade Mal 400 km.
Da ändert auch die Ankündigung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) aus dem April
nur wenig, den Radverkehr in Deutschland mit gesetzlichen Änderungen attraktiver und nutzerfreundlicher
machen zu wollen. Scheuer sagte, das Verkehrsministerium stelle 2019 Rekordmittel in Höhe von rund
200 Millionen Euro für den Radverkehr bereit. Damit würden etwa Radwege an Bundesstraßen und
Radschnellwege gefördert.

ADFC fordert konkrete Maßnahmen

Der Fahrradclub ADFC fordert einen umfassenderen Ansatz. Auch das übergeordnete Straßenverkehrsgesetz
müsse reformiert und an Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele angepasst werden. Konkret fordert der ADFC
Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts und die Einschränkung des freien Parkens. Außerdem sollen
Kommunen die Möglichkeit erhalten, Radwege auch ohne ‚besondere örtliche Gefahrenlage‘ anzulegen.

ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork sagt: „Das deutsche Verkehrsrecht atmet noch den Geist der
Nachkriegszeit. Unter ‚Verkehr‘ wird in erster Linie ‚Autoverkehr‘ verstanden, die anderen Verkehrsarten gelten
als nachrangig. In Zeiten verstopfter Städte, schlechter Luft und neuer Mobilitätsbedürfnisse ist dieses Verständnis
aber überholt. Wir brauchen ein Verkehrsrecht, das auf die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer ausgerichtet ist,
insbesondere auch auf die des Fuß- und Zweiradverkehrs.“ Das führt der ADFC so auch in seinem Positionspapier
„Ein neues Verkehrsrecht für die Mobilität von heute und morgen“ (1) aus. Deshalb reiche es nach Auffassung des
Fahrradclubs nicht aus, nur die Straßenverkehrsordnung fahrradfreundlich zu modernisieren, vielmehr müsse auch
das Straßenverkehrsgesetz als Ermächtigungsgrundlage der StVO grundlegend neu gefasst werden. Stork:
„Die Leichtigkeit und Sicherheit des Kfz-Verkehrs darf nicht länger die übergeordnete Zielsetzung des
Straßenverkehrsgesetzes sein. Nur wenn alle Verkehrsarten rechtlich gleichgestellt sind, haben Fuß – und
Radverkehr eine Chance, sich zu entwickeln!“

Städte vom Rad aus neu denken

Anders als die Niederlande und auch Dänemark und Flandern hat Deutschland noch nicht damit begonnen,
die Städte vom Rad aus neu zu denken. Dass auch Deutschland in solche Dimensionen vorstoßen könnte,
zeigt ein Blick in die Verkehrsstatistiken. Laut einer Studie des Fraunhofer ISI auf Basis von „Mobilität in
Deutschland 2008“ sind etwa 50 Prozent der Autofahrten kürzer als 5 Kilometer. Etwa 25 Prozent sogar
kürzer als 2 Kilometer. Das bedeutet: Jedes vierte Auto auf der Straße ist weniger als 2.000 Meter unterwegs.
Der ADFC schätzt, dass jede 3. Autofahrt ohne Komfort-Einbußen durch eine Rad-Fahrt ersetzbar ist.

Der ADFC-Bundesvorsitzende Ulrich Syberg: „Damit die Menschen gern und häufig das Auto stehen lassen,
muss das Radfahren komfortabel und ohne Angst möglich sein. Dafür brauchen wir in den Städten durchgängige
Netze für den Radverkehr, großzügige Abmessungen und guten Belag für Radwege. Wir brauchen freie
Sichtbeziehungen an Kreuzungen und Einmündungen. Wir brauchen mehr Verkehrsberuhigung, mehr Tempo 30.
Wir brauchen an allen ÖPNV-Schnittstellen und öffentlichen Einrichtungen Fahrradparkhäuser und komfortable
Abstellanlagen. Für den überörtlichen Verkehr brauchen wir in allen Ballungsgebieten vier Meter breite Radschnellwege.
Wir brauchen 30 Euro pro Einwohner und Jahr für das Rad – Realität sind unter fünf. Wir müssen uns trauen, den
Radverkehr groß zu denken und ihm zulasten des Autoverkehrs Platz einzuräumen. Sonst wird Deutschland immer
mehr ein verstopftes, gestresstes Land.“

Damit die bisherigen selbstgesteckten (Minimal-) Ziele etwa in Hannover überhaupt erreicht werden können,
müsste die Stadt viel konsequenter auf den Ausbau und die Ausweisung von Fahrradstraßen setzen und die
Zweiradfahrer viel mehr in der Verkehrsplanung berücksichtigen. Dazu fehlt aber scheinbar der nötige politische Wille.
Ohne ihn wird es in absehbarer Zukunft zu keiner echten, nachhaltigen Verkehrswende kommen.

Hintergrund-Informationen zum Weltfahrradtag

Der Weltfahrradtag ist jeweils der 3. Juni eines Jahres. Er wurde im April 2018 als ein offizieller UN-Tag
des Bewusstseins über die gesellschaftlichen Vorteile der Fahrradnutzung verabschiedet. Generalsekretär
Bernhard Ensink von der European Cyclists Federation verkündete dazu, dass das Fahrradfahren gesellschaftliche,
ökonomische und ökologische Vorteile habe und die Menschen einander näher bringe. Weiter führte er aus, dass die
UN Deklaration eine Anerkennung für den Beitrag des Fahrradfahrens zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung sei. (Quelle: Wikipedia)

(1) Positionspapier des ADFC: https://www.adfc.de/fileadmin/user_upload/Expertenbereich/Politik_und_Verwaltung/Download/Position_Neues_Verkehrsrecht_22022019.pdf




« Letzte Änderung: 28. Okt. 2019, 15:01:15 von Redakteur »

AGH-SUPERSTAR

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Antw:Weltfahrradtag
« Antwort #1 am: 12. Aug. 2019, 11:55:56 »
Es lebe das Fahrrad ! O0

 

     
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