Autor Thema: Anekdoten  (Gelesen 169 mal)

Globus87

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Anekdoten
« am: 19. Mär. 2018, 08:32:31 »
Der Frack.
Der alte Arzt eines kleindeutschen Fürsten wurde mitten in der Nacht zur Hoheit gerufen, die sich nicht ganz wohl zu befinden geruhten. Bei der Tür vor dem Schlafzimmer hält der Kammerdiener erschrocken den eiligen Arzt auf, der im einfachen Winterrock eintreten wollte. »Aber, Herr Doktor, ohne Frack! Was wird die Hoheit dazu sagen?« flüsterte der Kammerdiener, der Arzt, berühmt wegen seiner derben Ausdrucksweise, dreht sich ruhig um, nach Hause zu gehen. »Aber die Hoheit!« jammerte der Kammerdiener. »Seien Sie unbesorgt,« ruft im Weggehen der Doktor, »ich werde meinen neuen Frack schicken, vielleicht verschreibt der ein gutes Rezept!«

Höflichkeit.
Zwei Bekannte treffen sich auf der Straße und gehen zusammen in ein Pariser Boulevard-Restaurant, um dort zu essen. Sie lassen als gute Bekannte zusammen servieren, Poulets, und der Kellner bringt ein »halbes Huhn« auf einem Teller. Dieses »halbe Huhn« besteht aus einem Flügelstück und einem Rückenstück, Nun begannen sich die beiden zu bekomplimentieren, einer bot dem andern an:

»Bedienen Sie sich!«

»Aber, ich bitte Sie –«

»Bitte, nach Ihnen!!«

»Aber, wie werde ich denn!«

So geht es noch eine Weile, und endlich entschließt sich der eine, dem »grausamen Spiele« ein Ende zu machen, und er nimmt den Flügel! Der andere muß sich also mit dem Rückenstück begnügen, und man sieht ihm an, daß er sich darüber »verdrießen möchte«. Er quält sich die Bissen hinein und der Humor ist völlig geschwunden. Er steckt die Nase so tief in den Teller, daß ihn der Freund fragt:

»Fehlt Ihnen irgend was?«

»Mir? Durchaus nicht!«

»Aber doch, und ich wette, daß das wegen des Flügelstückes ist –«

»Nun ja denn, es ist deswegen, ich kann nicht finden, daß Sie sehr delikat gehandelt haben.«

»Inwiefern?«

»Aber gewiß, wenn man sich zuerst bedient, nimmt man sich nicht das schönste Stück –«

»Aha, seht mal, also genieren soll man sich, Sie hätten es doch ebenso gemacht wie ich – –«

»Gott bewahre, wenn ich mich zuerst bedient hätte, wäre ich ganz anders verfahren!«

»Und was hatten Sie denn getan?«

»Ich hätte das Rückenstück genommen!«

»Na, das haben Sie jetzt auch gekriegt, was jammern Sie denn?«

Diplomatie
In seiner » Hohenzollernlegende« (Verlag Buchhandlung Vorwärts) schildert Genosse Maurenbrecher, wie Friedrich II. den Eroberungszug nach Schlesien in Szene setzte. Es war mehr ein Ueberfall als ein ehrlicher Krieg, da der Besetzung jener österreichischen Provinz keine Kriegserklärung, nicht einmal eine diplomatische Aktion vorausgegangen war, Friedrich bemühte sich im Gegenteil, alle Welt zu täuschen. Während die Truppen bereits den Befehl erhalten hatten, zu marschieren – mit Marschroute nach Halberstadt, um die Richtung des Ziels zu verdecken – führte er in Rheinsberg das ausgelassenste Leben, als denke er gar nicht daran, den Frieden irgendwie zu stören. Bezeichnend für diese Art der Diplomatie ist ein Brief, den wir in der »Hohenzollernlegende« abgedruckt finden, Friedrich schrieb in jenen Tagen aus Rheinsberg an einen Freund:
»Es gibt nichts Leichtfertigeres als unsere Beschäftigungen. Wir quintessenzieren Oden, radebrechen Verse, treiben Gedankenanatomie, und bei alledem beobachten wir pünktlich die Nächstenliebe. Was tun wir noch? Wir tanzen bis uns der Atem ausgeht, schmausen, bis wir platzen, verlieren unser Geld im Spiel und kitzeln unsere Ohren durch weiche Harmonien, die, zur Liebe lockend, wieder andere Kitzel erregen. Ein Hundeleben! werden Sie sagen, nicht von dem Leben hier, sondern von dem, das Sie in Kummer und Leiden führen. Genesen Sie von den Wunden der Cythere (Göttin des Liebesgenusses), wenigstens lassen Sie uns von Ihrem Geiste Nutzen haben, wenn die Mädchen keinen von Ihrem Körper haben können.« –
Das war Ende November. Am 16. Dezember überschritten die Truppen die schlesische Grenze, am 3. Januar ergab sich Breslau, am 8. Januar Ohlau, am 9. März Glogau. Nur die Festungen Neiße und Brieg hielten sich noch. Und erst im März 1741 kam ein österreichisches Heer zum Entsatz herbei! Zu spät und zu schwach, um die Eroberung Schlesiens durch Friedrich verhindern zu können.

http://gutenberg.spiegel.de/buch/scherze-anekdoten-kurze-geschichten-

Globus87

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Antw:Anekdoten
« Antwort #1 am: 28. Mär. 2018, 08:46:04 »
Aberglaube.
Von Totengräbern glaubt man noch vielfach in Süddeutschland, daß sie immer genau wissen, wenn jemand abscheiden wird – es rühren sich dann einige Tage vorher Picken und Schaufeln in ihrer Kammer, auch wirft wohl eine geheimnisvolle, unsichtbare Hand das Seil über die Stube hin. So sind sie denn so gefürchtete Leute, daß sich schüchterne Kinder mit ihnen zu sprechen nicht unterfangen. In gleichem Geruche stehen auch die Tischler, ihnen wird sogar die Kunde zugeschrieben, zu wissen, ob sie bald für ein Kind oder einen Erwachsenen einen Sarg anzufertigen haben. Raffelt (rührt) es sich nämlich im Bratrohre, so stirbt ein Kind – die »6 Bretter und 4 Brettchen« für die Kleinen werden ja im Bratrohre getrocknet. Wenn sich aber die Bretter bewegen, welche zu großen Särgen benutzt werden sollen, der Hobel, welcher zur Anfertigung der Truhen benutzt wird, oder die Säge erklingt, dann wird bald das letzte Stündlein für einen Erwachsenen gekommen sein. Die Seele des Verstorbenen pocht an seine Tür, ihm anzuzeigen, daß er einen Sarg zu fertigen habe. Auch ist dem Totengräber wohl bewußt, wenn beim Einlassen des Sarges Steine nachrollen, sowie dem Tischler, wenn sich beim Schließen des Sarges ein gewisser unheimlicher Ton vernehmen läßt, daß dem Dahingeschiedenen bald ein Familienmitglied folgen werde. Solche Vorboten heißen Onzoiges (Anzeichen) im Böhmerwalde, dessen Bewohner noch an unzähligen abergläubischen Satzungen und Gebräuchen festhalten, die, teilweise dem Heidentum entstammend, ein Alter von 2000 Jahren und darüber aufzuweisen haben.

Nach hohem Beispiel.
Eine amüsante Anekdote wird von dem Verdienstvollen französischen Arzt Professor Budin erzählt. Budin war ein ausgezeichneter Gelehrter und ein geistvoller Kopf, der über eine seine Ironie gebot. Er war mit Eifer dafür eingetreten, bei schwierigen Entbindungen Chloroform anzuwenden und hatte dabei nicht nur den Widerstand einiger Kollegen gefunden, sondern mußte auch den Tadel einiger Personen über sich ergehen lassen, die religiöse Bedenken gegen dieses Verfahren hatten. Eines Tages gab ihm eine sehr fromme Dame ihre Meinung darüber sehr deutlich zu verstehen, worauf Budin mit seinem Lächeln erwiderte: »Wie, Sie, die fromme Christin, wollen nicht zugeben, daß ich die Mütter, um ihnen Hilfe zu bringen, einschläfere?« – »Natürlich nicht!« – »Das ist aber merkwürdig unehrerbietig gegen den lieben Gott, der die Anästhesie (Gefühllosmachung) in gleichem Falle auch angewendet hat.« – »Wieso denn?« – »Wissen Sie denn nicht, daß er Adam einschläferte, um Eva zur Welt zu bringen? Ich folge doch nur seinem Beispiel!«

Arzt-Honorare.
Der Pariser Arzt Dr. Doyen geriet vor nicht langer Zeit mit einem amerikanischen Millionär wegen seines Honorars von 80 000 Mark in Streit. Der Preis mag manchem recht ungeheuerlich vorkommen, indes die englische Wochenschrift »Modern Society« weiß von noch ganz anderen Honoraren für ärztliche Hilfeleistungen zu berichten. Einige der höchsten Honorare, schreibt sie, haben Aerzte von Mitgliedern königlicher Familien erhalten. Die Kaiserin Katharina von Rußland fürchtete sich sehr vor den Pocken, und sie gab dem englischen Arzt Thomas Dimsdale dafür, daß er sie geimpft hatte, 280 000 Mark in bar, eine Leibrente von 16 000 Mark, 40 000 Mark für seine Reisekosten von London nach Petersburg und verlieh ihm die Würde eines Staatsrates und Barons. Der französische Nervenarzt Professor Charcut erhielt von Dom Pedro von Brasilien 40 000 Mark für eine einzige Konsultation, zu der er allerdings eine Reise von Paris nach Aix-les-Bains machen mußte, wo der Kaiser gerade weilte; von Cornelius Vanderbilt soll Charcot sogar noch höhere Honorare bekommen haben. Der italienische Arzt, der bei der Geburt des kleinen Prinzen von Piemont seine Hilfe leistete, erhielt ein noch größeres Honorar, und der dankbare Zar soll sogar 200 000 Mark für die Geburtshilfe bei der Geburt des Zarewitsch gegeben haben. ... In England ist es üblich, das ärztliche Honorar in Guineen zu berechnen, deren Wert 21,50 Mark beträgt, nicht in Sovereigns (Pfund), die nur 20,13 Mark zu rechnen sind. Das hat schon oft zu Auseinandersetzungen Anlaß gegeben. So hielt besonders Sir William Jenner darauf, daß man ihm sein Honorar in Guineen zahlte. Einmal bekam er von einer bekannten Herzogin-Witwe einen Briefumschlag, der, wie er fühlte, nur zwei Sovereigns enthielt, so daß also an den zwei Guineen zwei Shillings fehlten. Er setzte sofort seine Brille auf, bückte sich und sah suchend auf dem Fußboden umher. »Haben Sie etwas verloren, Sir William?« fragte die adlige Dame. »Ich suche die beiden Shillings, die Sie augenscheinlich haben fallen lassen, Herzogin!« erwiderte der Arzt zornig.

Weisheitsworte.
Die Religionen Müsen alle Tolleriret werden und Mus des Fiscal nuhr das Auge darauf haben, das keine der andern abrug Tuhe, den hier mus ein jeder nach seiner Fasson Selich werden.

Drei Reben.
Drei Reben trägt der Weinstock; die eine bringt die Lust, die andere die Last, die dritte die Freveltat.

Der Humor.
Dem Humor ist ein großes Feld erschlossen; Dummheit und Beschränktheit, Pfaffentum und Philistertum, Heuchelei und Schmeichelei, Kleinstädterei und Windmacherei, Grillen und Schrullen, Marotten und üble Angewöhnungen: sie können sich dem scharfen Auge des Humors nicht entziehen. Alles Kleine und Schlechte, Aermliche und Erbärmliche liegt enthüllt wie ein aufgeschlossenes Buch vor ihm.

Pferdeverstand.
Ueber die geistige Befähigung des Pferdes ist schon viel geschrieben und gestritten worden. Daß es zu den intelligentesten Tieren gehört, wird niemand leugnen. Merkwürdig ist schon sein Erkennungsvermögen: es hört am Schritt, wann sein Herr naht, dem es entgegenwiehert, sich an ihn schmiegt, seine Hände leckt und ihn mit glänzend belebten Augen betrachtet, die seine Freude erkennen lassen. Aber auch Zeit- und Ortssinn sind dem Pferde in hohem Maße eigen. Häufig vermag es Ursache und Wirkung zu unterscheiden, sich Urteile und Schlüsse zu bilden. Wahrhafte Ueberlegung zeigte z. B. eine Herde Pferde, welche im April des Jahres 1794 auf der Elbinsel Krautsand plötzlich von der Springflut überrascht wurden und ihr nicht wie die Rinder durch Schwimmen entrinnen konnten, weil sie ihre Füllen bei sich hatten. In dieser kritischen Lage zogen sich die Pferde wiehernd in einen Kreis zusammen, und je zwei von den Alten drängten die Füllen zwischen sich hinaus über das Wasser. So standen sie mutvoll und unbeweglich, bis nach sechs Stunden die Ebbe eintrat.

Sprichworte.
Angeborene Mängel kann man nicht aus- und einsehen wie der Glaser die Fenster.
Wer verzagt ist im Bitten, macht den andern beherzt im Abschlagen.
Man braucht sieben Lügen, um eine Lüge zu bestätigen.
Um eines Hufeisens willen verdirbt oft ein Pferd,,
Kommt ein Ochs in fremdes Land,
Wird er gleich als Rind erkannt.
Den Bauern riecht der Mist für Bisam.
Ein Steckenpferd frißt mehr als hundert Ackergäule.
Der Fuchs ändert den Balg und behält den Schalk.

http://gutenberg.spiegel.de/buch/scherze-anekdoten-kurze-geschichten

 

     
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