Autor Thema: Julia Karnick - Ich glaube der Fliesenleger ist tot (Ein lustiges Baubuch)  (Gelesen 2587 mal)

Helluo Librorum

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Helluo Librorum präsentiert aus der Reihe "Bücher, die man gelesen haben muss":

Julia Karnick – Ich glaube der Fliesenleger ist tot (Ein lustiges Baubuch)


Genre: Erfahrungen
Seiten: 352
Verlag: Blanvalet
ISBN-10: 3442378680
ISBN-13: 978-3442378685

Link zur Leseprobe:

http://www.amazon.de/Ich-glaube-Fliesenleger-ist-tot/dp/3442378680/ref=sr_1_fkmr0_2?ie=UTF8&qid=1381816527&sr=8-2-fkmr0&keywords=julia+karnick+ich+glaube+der+fliesenleger+ist+tot#reader_3442378680

„Das ultimative Trostbuch für alle, die unfreiwillig zur Untermiete wohnen – und eine Warnung für alle Bauherrn.“ (Hörzu)

„Dass die Autorin Julia Karnick ein Haus gebaut hat, ist ein Glücksfall, denn quasi nebenbei ist ein so unterhaltsames wie hilfreiches Buch entstanden.“ (Schöner Wohnen)

Willkommen in der Servicewüste Deutschland!

Einiges aus diesem Buch kennt man möglicherweise bereits aus Karnicks Kolumne in der „Brigitte“, jedoch wird auch der Leser der Kolumne in diesem Buch noch viel Neues und Interessantes erfahren.

Es ist die ewige und zugleich absolut berechtigte Frage: Warum sollte man so dumm sein, ein Leben lang teure Miete zu zahlen, von der man sich am Ende locker zwei oder drei Eigentumswohnungen hätte kaufen können oder man baut sich von dem Geld sogar gleich ein eigenes Haus und spart dabei auf lange Sicht noch jede Menge Geld?

Julia Karnick ließ sich von ihrem Mann trotz vorhandener Bedenken genau wegen dieser Argumente dazu überreden, ein eigenes Haus zu bauen. Dieses sollte sehr geräumig sein und sowohl für Kinder wie auch Hund ein Ort zum Herumtollen und glücklich sein werden. Dafür kauften sie ein stark sanierungsbedürftiges Haus und beauftragten eine junge Architektin, nach dem Abriss des alten Hauses auf dem Grundstück ein neues nach ihren eigenen Vorstellungen zu bauen.

Nur die wenigsten, die planen, ein Haus zu bauen, wissen am Anfang wirklich, was da alles auf sie zukommen wird. Diese bittere Erfahrung musste auch das Ehepaar machen. In all ihrer Naivität dachten die Karnicks am Anfang tatsächlich noch, dass hierfür benötigte Experten wie beispielsweise Architekten und Handwerker Probleme lösen und nicht noch zusätzliche schaffen würden.

Doch so gut wie jeder neue Tag auf der Baustelle wartete mit einer neuen Überraschung auf. Dumm nur, dass die leider auch negativer Art sein können. Ein fehlender Keller, nicht erreichbare Handwerker und zwei Wasserschäden stellen lediglich einen Teil der Probleme dar, mit denen das Ehepaar zu kämpfen hatte. Ein aus solchen Problemen resultierender negativer Aspekt war, dass sich der anvisierte Einzugstermin immer weiter nach hinten verschob. Wie in den meisten Fällen auch nur ansatzweise vergleichbarer Art sind die Kosten für den Neubau dann am Ende deutlich höher ausgefallen, als anfangs kalkuliert, obwohl man zu diesem Zeitpunkt noch der festen Meinung war, dass man sehr realistisch kalkuliert hätte. Am Ende eines jeden Kapitels gibt Julia Karnick eine aktualisierte Übersicht über die bis zu diesem Zeitpunkt angefallenen Kosten. Da merkt man, wie sich selbst die scheinbar kleinen Kosten mit der Zeit zu einer erschreckend hohen Summe addieren. Dabei entstehen viele Kosten gerade durch die Sachen, an die man anfangs entweder selbst nicht gedacht hat oder die man schlicht und ergreifend unterschätzte.

Beeindruckend ist, wie es Julia Karnick trotzdem immer noch gelang, mit dieser doch eigentlich sehr belastenden und an die Substanz gehenden Situation umzugehen. Am Ende überwog dann bei dem Ehepaar zum Glück doch noch die Freude über das fertige Eigenheim. Und ist es nicht so, dass selbst der geplagteste Bauherr mit der Zeit vielleicht irgendwann rückblickend über manche Situation lachen können wird?

Interessant zu lesen sind übrigens auch Karnicks Erfahrungen mit den Behörden. Dabei erklärt die Autorin stets, was für Anträge man alles stellen muss und warum genau man diesen oder jenen Antrag stellen muss.

Wenn der Traum von den eigenen vier Wänden zum Alptraum mutiert: Über dieses Thema könnten sicherlich viele private Bauherren ein eigenes Buch schreiben.

Doch wer sich mit dieser Thematik noch nicht beschäftigt hat und auch aus dem privaten Umfeld noch keine entsprechenden „Horrorstories“ gehört hat, der wird möglicherweise den Erfahrungsbericht aus der Feder von Julia Karnick für stark übertrieben halten. Denn wie es bei vielen Menschen leider nun einmal so ist, glauben sie etwas erst dann, wenn sie es selbst erlebt haben. Aber man muss natürlich auch zugeben, dass es für Laien nicht selten schon einiger Phantasie bedarf, um sich vorstellen zu können, was alles bei solch einem Bau passieren kann. Denn wie heißt es doch so schön? Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Die Erfahrungen, die das Ehepaar Karnick gemacht hat, sind absolut authentisch, wie fast jeder, der selbst einmal ein Haus gebaut hat, leider nur zu gut bestätigen kann. Stimmt also der Spruch, dass geteiltes Leid halbes Leid ist? Diese Frage müssten nun all diejenigen Menschen beantworten, die bereits das Wagnis eingegangen sind, sich selbst ein Haus zu bauen. Zumindest stellt man beim Lesen dieses Buches erleichtert fest, dass man nicht der einzige ist, dem es während der Bauzeit so ergangen ist. Jene ehemaligen oder auch aktuellen Bauherren werden sich nur zu leicht in einigen der beschriebenen Situationen wieder erkennen und manchen Gedanken mit der Autorin teilen.

Wer plant, in absehbarer Zeit auch ein Haus zu bauen, dem könnte dieses Buch dabei sehr hilfreich sein. Vor allem in der Frage, ob man sich dessen wirklich bewusst ist, was da alles auf einen zukommen kann und ob man sich all dem tatsächlich stellen möchte. Man kann diesen Menschen nur aufrichtig wünschen, dass sie wesentlich bessere Erfahrungen machen mögen und am Ende der Bauphase nicht reif für die Nervenklinik sind.

Doch ganz egal wie stressig die Bauphase auch sein mag und welche Probleme dabei aufkommen. Zumeist ist all dies schnell vergessen, wenn das Bauprojekt dann endlich einmal finalisiert ist und man die ersten Tage nach dem Umzug überstanden hat und sein neues, trautes Heim dann hoffentlich und verdientermaßen in vollen Zügen genießen kann.

Trotzdem wäre es eine höchst interessante Frage für mich, wie viele Mieter, die ernsthaft den Bau eines Eigenheims planen, nach der Lektüre dieses Buches von ihren Plänen doch besser Abstand nehmen und lieber weiterhin jeden Monat pünktlich ihre Miete überweisen.

„Ich glaube der Fliegenleger ist tot (Ein lustiges Baubuch)“ ist in meinen Augen eine Pflichtlektüre für alle angehenden Bauherren. Man muss jedoch nicht selbst jemals ein Haus gebaut haben oder dies für die Zukunft planen, um Gefallen an diesem Buch zu finden.

Es ist ein Musterbeispiel dafür, wie viel Freude einem das Leid anderer Menschen doch manchmal bereiten kann. Eigentlich müsste man sich dafür ja schon glatt schämen.
Denn man sollte seinen Mitmenschen ja nichts Schlechtes an den Hals wünschen, aber wäre der Autorin nicht genau dies passiert, hätte es auch das Buch zu dieser Geschichte nie gegeben. Von daher ist in meinen Augen alles gut so, wie es passiert ist.

Man kann sich auch wunderbar in die Autorin, der all dies widerfahren ist, hineinversetzen und fühlt zwangsläufig mit ihr mit.

Das Buch wird zu keinem Zeitpunkt langweilig, ganz im Gegenteil: Man kommt aus dem Lachen kaum noch heraus und es fesselt einen derartig, dass es sich wie von selbst zu Ende zu lesen scheint. Bevor man sich versieht, ist man nämlich wie von Zauberhand bereits bei der letzten Seite angelangt.

Jedoch sollte man das Buch besser nicht abends im Bett lesen, denn ansonsten könnte man den möglicherweise bereits eingeschlafenen Ehepartner durch leider manchmal nicht zu verhinderndes lautes Lachen wieder dem Schlafe entreißen.

Es war für mich eine besondere und interessante Erfahrung, vom ersten Gedanken an ein Eigenheim bis zum Einzug in das fertig gebaute Haus die Verwirklichung dieses Traumes so vieler Menschen zu verfolgen, ohne dabei Gefahr zu laufen, all den damit verbundenen Ärger und Stress am eigenen Leib erfahren zu müssen. Geschichten aus dem wahren Leben sind doch immer noch die besten, wie ich finde.

Man darf gespannt sein, ob man auch in Zukunft mehr von dieser Autorin zu lesen bekommt als „nur“ ihre Kolumne in der „Brigitte“. Ich würde es mir auf jeden Fall wünschen.

Ein kleiner Tipp am Ende: Wer selbst lieber nicht bauen möchte, aber einen Ehepartner hat, der genau dies tun möchte und darauf vehement drängt, dem könnte man empfehlen, seinem Ehepartner als Mittel zur Abschreckung dieses Buch in der Hoffnung schenken, dass er seine Meinung anschließend doch noch revidieren wird.

Hinweis

Rechtschreibung und Grammatik wie immer ohne Gewähr.
;)
"Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill


 

     
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