Autor Thema: Michael F. Dodillet - Herrchenjahre (Vom Glück einen ungezogenen Hund zu haben)  (Gelesen 2248 mal)

Helluo Librorum

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Helluo Librorum präsentiert aus der Reihe "Bücher, die man gelesen haben muss":

Michael Frey Dodillet – Herrchenjahre (Vom Glück einen ungezogenen Hund zu haben)


Genre: Erfahrungsbericht
Seiten: 272
Verlag: Heyne
ISBN-10: 3453174577
ISBN-13: 978-3453174573

Link zur Leseprobe:


http://www.amazon.de/Herrchenjahre-Gl%C3%BCck-einen-ungezogenen-haben/dp/3453174577/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1381819283&sr=1-1&keywords=herrchenjahre+vom+gl%C3%BCck.+einen+ungezogenen+hund+zu+haben#reader_3453174577

Als sich der Autor dieses Buches, Michael Frey Dodillet, dazu entschließt, seine Hündin endlich richtig zu erziehen, beginnt eine abenteuerliche Reise durch die Welt der Hundeerziehung, die aber vor allem dem Herrchen zu schaffen macht. Denn die temperamentvolle Mischlingshündin Luna beweist, dass sie es gekonnt versteht, sich gegen jeden bekannten Therapieansatz erfolgreich zu wehren und absolut nicht willens ist, ihr Verhalten zu ändern. Zwar ist Luna trotz aller Eigenheiten und der unverhohlenen Lernresistenz auf ihre Art und Weise durchaus liebenswert, jedoch kann und darf es so wie bisher einfach nicht weitergehen. Es muss doch irgendwie möglich sein, das Benehmen dieses höchst eigenwilligen Hundes auf Dauer zu verbessern?

Mit einem Hund wie Luna wird man schnell zum Meister der Ausreden, warum dieser genau so reagiert und nicht anders. Aber ihren Spitznamen „Krawallmaus“ hat sie sich redlich verdient, darüber ist sich die Familie Dodillet einig. Um seiner Hündin zu zeigen, wer von beiden das Sagen hat, ist sich Michael auch nicht zu schade, um sich sogar selbst in der Öffentlichkeit zu blamieren.

Doch wie fast schon befürchtet können weder „Hundeflüsterer“ noch die vielen „Krauses“, wie Dodillet der Einfachheit halber all die Menschen nennt, denen er und Luna begegnen und die ihn über die richtige Erziehung seines Hundes belehren wollen, an Lunas Verhalten etwas ändern. Denn diese macht sich die Welt genau so, wie sie ihr gefällt. Tatsächlich will keine einzige Erziehungsmethode auch nur ansatzweise bei ihr fruchten. Der Autor zeigt, nebenbei bemerkt, auch die verschiedenen Vor- und Nachteile der Methoden auf. Leider bringen auch diverse Ratgeber oder Fachforen im Internet Dodillet nicht entscheidend voran.

Da investiert man so viel Zeit, Mühe und Nerven in die Erziehung des Vierbeiners und dann will dieser immer noch nicht so wie man selber will. Traurig ist es vor allem, wenn der Hund mit der Zeit lernt, was er tun muss, um bei seinem Herrchen oder Frauchen die gewünschte, für ihn positive, Reaktion hervorzurufen. Wenn der Hund machen kann, was er will und Herrchen oder Frauchen im Fall der Fälle nur noch hilflos daneben stehen können, dann sollte jedem noch so unkundigen Außenstehenden klar sein, dass hier die falsche Seite das Sagen in der Beziehung hat. Tatsächlich könnte man daher das Gefühl bekommen, dass der Hund seinen Besitzer erzieht und nicht andersherum. Leider bedarf es oft schon an ziemlich großer Willensstärke, die jedoch einigen Hundebesitzern fehlt, um beispielsweise einem treuen Hundeblick nicht zu erliegen.

Ist man irgendwann wirklich mit seinem Hundeerziehungs-Latein am Ende, dann könnte einem die Lektüre dieses Buches möglicherweise doch noch auf die Sprünge helfen. Im besten Fall beginnt man endlich zu verstehen und lernt auch noch etwas dazu, im schlechtesten Fall hat man zumindest jede Menge Spaß beim Lesen gehabt.

Wenn selbst die vermeintlich todsicheren Tricks, die aus dem Munde eines Experten stammen, bei dem eigenen Hund nicht zum gewünschten Erfolg führen und auch Dutzende Therapien nicht fruchten, dann beginnt man immer mehr die Hoffnung auf Besserung zu verlieren. Da stellt sich einem doch zwangsläufig die Frage: Ist Erziehung nicht etwas nur für diejenigen, die auch wirklich erzogen werden wollen? Ganz egal, ob Mensch oder Tier?

Ein Hund ist keine Maschine, sondern ein Lebewesen, das seine Eigenarten und eben auch einen eigenen Willen hat. Man kann einen Hund erziehen, aber aus ihm einen „perfekten“ Hund zu machen, der exakt nach den eigenen Wünschen und Anforderungen funktioniert, wird natürlich nie möglich sein und kann eigentlich auch nicht im Sinne des Besitzers sein. Es wäre doch viel zu langweilig, wenn der eigene Hund wie auf Knopfdruck funktionieren würde, nicht wahr?

Zum Glück bedeutet ein ungezogener Hund noch nicht den Weltuntergang. Ein Fakt, den sich einige Hundebesitzer ruhig einmal ins Gedächtnis rufen könnten. Denn schlimmer geht ja bekanntermaßen immer. Wer bisher der festen Meinung war, dass sein Hund zu den lernresistentesten gehört, der wird beim Lesen dieses Buches vermutlich erleichtert aufatmen, wenn er erkennt, dass es ihn durchaus noch viel schlimmer hätte treffen können. Man fühlt sich auch gleich bedeutend wohler, wenn man begreift, dass man nicht der einzige ist, dem es so ergeht.

In diesem Buch werden sich wahrscheinlich die meisten Hundebesitzer wiederfinden. Man sollte jedoch schon über sich selbst lachen können, um es wirklich in vollen Zügen genießen zu können. Trotzdem muss man nicht zwingend selbst zu den Hundehaltern zählen, um Gefallen daran zu finden. An diesem Buch kann jeder seinen Spaß haben, der nicht völlig auf dem Kriegsfuß mit dieser Thematik steht.

„Herrchenjahre – Vom Glück einen ungezogenen Hund zu haben“ eignet sich  hervorragend zum Trainieren sämtlicher Lachmuskeln. Viel besser kann man sich von einem Buch wohl kaum noch unterhalten wissen. Wenn die Wahrheit doch bloß immer dermaßen witzig wäre. Ihr Arzt oder Apotheker warnt: „Vor lauter Lachen könnten einem beim Lesen dieses Buches Tränen in die Augen steigen. Eventuell kann es sogar zu akuten Atemproblemen kommen.“ Tatsächlich ist dieses Buch unterhaltsamer als 99% aller 08/15-Fachbücher zu diesem Thema zusammen.

Dieses Buch bietet kurzweilige Unterhaltung auf hohem Niveau, wie selbst die Kritiker der Meinung sind. Der Autor schafft es, einem seine Erfahrungen derart bildhaft zu vermitteln, dass man sich beinahe so fühlt, als würde man all dies gerade selbst erleben. Man sollte das Buch wohl besser an einem Tag beginnen, an dem man keinerlei Verpflichtungen hat. Denn einmal damit begonnen steigert man sich schnell in einen regelrechten Leserausch und legt das Buch möglicherweise nicht mehr aus der Hand, bevor man es zu Ende gelesen hat. Es  kann wirklich süchtig machen! Doch leider ist es so wie häufig auch beim Hundefutter: Der Genuss war leider viel zu schnell vorbei.

Wetten, dass ihr „Herrchenjahre – Vom Glück einen ungezogenen Hund zu haben“ lieben werdet?

Man kann nur hoffen, dass man von diesem Autor noch mehr Bücher, vor allem dieser Art, lesen darf. Da ich ja zu jeder meiner Buchempfehlungen auch fleißig Internetrecherche betreibe, kann ich aus der bisherigen Erfahrung heraus sagen, dass es eigentlich relativ wenige Bücher gibt, die fast ohne Ausnahme nur mit der höchsten Bewertung versehen werden. Da lehne ich mich dann wahrscheinlich auch nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich jetzt die These aufstelle, dass dieses Buch zu den absoluten Highlights seiner Art zählen dürfte.

„Herrchenjahre – Vom Glück einen ungezogenen Hund zu haben“ sollte für jeden aktuellen, ehemaligen oder zukünftigen Hundebesitzer eine absolute Pflichtlektüre darstellen. Der Autor teilt mit seinen Lesern, so fern sie denn auch zu den Hundebesitzern zählen, Freud und Leid über das gemeinsame Leben mit einem Vierbeiner.

Michael Frey Dodillet weist seine Leser vorsorglich bereits zu Beginn des Buches darauf hin, dass es sich hierbei um keinen Ratgeber im eigentlichen Sinne handelt. Es sei vielmehr eine Art „Trostbuch“. Der Leser erfährt darin einige Szenen, wie man sie aus dem Alltag eines geforderten Hundebesitzers nur zu gut kennt. Authentischer könnten diese Situationen wahrlich kaum sein.

„Herrchenjahre – Vom Glück einen ungezogenen Hund zu haben“ ist übrigens auch eine wunderbare Geschenkidee, mit der man zukünftige Herrchen und Frauchen beglücken sollte. Bleibt nur zu hoffen, dass diese es sich nach dem Lesen des Buches dann nicht doch plötzlich noch einmal anders überlegen.

Es wäre meiner Meinung nach bestimmt auch sehr interessant, dieses Buch verfilmt zu sehen. Vor meinem geistigem Auge sehe ich gerade Martin Rütter in der Hauptrolle, mit seinem Charme und Witz vermutlich gar keine so schlechte Wahl.

Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, was sie in der Erziehung ihres Hundes alles falsch gemacht haben, bzw. immer noch nicht richtig machen? Wenn nicht, wäre genau jetzt der passende Moment dafür gekommen…

Hinweis

Rechtschreibung und Grammatik wie immer ohne Gewähr.
;)
"Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill


 

     
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