Autor Thema: Jerri Nielsen - Ich werde leben  (Gelesen 2210 mal)

Helluo Librorum

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Jerri Nielsen - Ich werde leben
« am: 11. Sep. 2013, 09:20:20 »

Helluo Librorum präsentiert aus der Reihe "Bücher, die man gelesen haben muss":

Jerri Nielsen – Ich werde leben


Genre: Erfahrungsbericht / Schicksal
Seiten: 422
Verlag: Marion von Schröder Verlag
ISBN-10: 3547771307
ISBN-13: 978-3547771305

Zitat

"Das war wirklich die größte Ironie meines Lebens: In dem Moment, als ich mich das erste Mal wirklich lebendig und ganz fühlte, erfuhr ich, dass ich damit rechnen musste, bald zu sterben." (Jerrie Nielsen)

Autorin & Buch (Allgemeines)

Jerri Nielsen erzählt auf bewegende Art und Weise ihre eigene Geschichte, von ihrem Kampf gegen den Krebs, völlig isoliert von der Außenwelt – „gefangen“ mitten im ewigen Eis. Es ist schier unglaublich, dass die Geschichte keine Fiktion ist, sondern genau so passierte.

Ebenso überrascht es, dass Jerri Nielsen ob dieser Umstände den Kampf gegen den Krebs tatsächlich gewonnen hat. Denn schlechter hätten ihre Chancen wohl wahrlich kaum stehen können. Daher vermag dieses Buch durchaus, Krebskranken Menschen wieder etwas mehr Hoffnung zu geben. Denn die Lehre, die man aus daraus ziehen kann ist die, dass es sich immer lohnt, um und für sein Leben zu kämpfen, ganz egal, wie ausweglos die Situation möglicherweise auch erscheinen mag. Denn wer kämpft, der kann gewinnen und wer nicht kämpft, der hat bereits verloren.

„Ich werde leben“ muss man meiner Meinung nach einfach gelesen haben.

Handlung

Jerri Nielsen arbeitet als Notärztin in einem Krankenhaus in Ohio, USA, und beschließt eines Tages, noch einmal völlig neu anzufangen. Auslöser hierfür ist die Trennung von ihrem Ehemann, der ihr im Scheidungskrieg sogar die gemeinsamen Kinder vorenthalten will. In Jerri keimt die Sehnsucht nach einem großen Abenteuer auf und so schließt sie sich einem Team von Wissenschaftlern an, deren Ziel das Überwintern in einer einsamen amerikanischen Forschungsstation (Asmundson Scott) am Südpol ist. Ausgerechnet! Während des Winters herrschen dort Temperaturen von bis zu 74°C unter Null und dieses Fleckchen Erde ist der kälteste überhaupt. Aufgrund der extremen Temperaturen halten sich alle (ca. 200) Menschen fast ohne Ausnahme nur innerhalb der Forschungsstation auf. Unter diesen in doppelter Hinsicht außergewöhnlichen Umständen sind Konflikte natürlich vorprogrammiert.

Doch das ist leider nicht das einzige Problem, das Jerri Nielsen während ihres achtmonatigen Aufenthalts am Südpol hat. Denn schon nach kurzer Zeit entdeckt sie einen Knoten in ihrer Brust, der Alptraum wohl einer jeden Frau. Die erfahrene Ärztin diagnostiziert Brustkrebs. Wäre das nicht bereits schlimm genug, kommt noch erschwerend hinzu, dass die bereits viel zu niedrigen Temperaturen es Jerri nicht ermöglichen, sich in das nächste Krankenhaus oder ein anderes ihrer Wahl zu begeben. Denn es können weder Flugzeuge noch Hubschrauber starten oder landen, da deren Treibstoff bereits ab -60°C zu einem Gel gefriert. Die Temperaturen, die eine „Rettung“ Jerri Nielsens ermöglichen würden, sollten erfahrungsgemäß noch für mehrere Monate auf sich warten lassen.

Sie hat nur eine Chance und diese will sie unbedingt nutzen: Jerri behandelt sich selbst und unterzieht sich einer Chemotherapie. Dafür werden Medikamente und Ultraschallgeräte abgeworfen, ohne die eine erfolgreiche Chemotherapie undenkbar wäre. Ansonsten bleibt ihr nichts weiter übrig als den Mut und die Kraft für den harten Kampf gegen die Zeit nicht zu verlieren. Doch um ehrlich zu sein stehen die Chancen auf einen Tod durch den Krebs ungleich höher als die, ihn zu besiegen. Doch genau dies gelingt Jerri und sie arbeitet auch heute noch als Ärztin. Der Krebs ist für immer weg – doch eines ist ihr geblieben: Die unbändige Lust nach Abenteuern. So bereist Jerri Nielsen auch heute noch die Welt und lernt diverse entlegene Gebiete der Erde kennen.

Wahrscheinlich hätte an ihrer Stelle so gut wie jeder von uns verzweifelt aufgegeben und sich mit dem baldigen Tod abgefunden, aber Jerri Nielsen gelang es irgendwie, die Kraft und den Mut aufzubringen, um sich dem erbitterten Kampf zu stellen und sich immer ausreichend Hoffnung zu bewahren, um diesen nicht doch noch eines Tages aufzugeben.

Trotz der widrigen Umständen hat sich Jerri Nielsen jemals beklagt oder gar sich selbst bemitleidet. Man kann dieser Frau einfach nur den allergrößten Respekt zollen.

Atmosphäre & Schreibstil:


„Ich werde leben“ ist ein Buch, das auf jeden Fall zum Nachdenken anregt. Es ist der ergreifende Bericht über den spannenden Überlebenskampf einer faszinierenden Frau im ewigen Eis.

Das Buch ist atmosphärisch dermaßen dicht geschrieben, dass man regelrecht darin versinkt.

Nachbemerkungen:


Die Frage ist doch nicht, wie du am Ende stirbst, sondern wie du bis zu diesem Zeitpunkt gelebt hast.

Im Kampf gegen den Krebs und völlig abgeschottet von der Außenwelt beginnt man schnell zu begreifen, was wirklich wichtig im Leben ist und worauf man alles mehr oder weniger leicht verzichten kann. Denn nur das wenigste im unserem Leben ist wirklich von besonderer Bedeutung.

Hinweis

Rechtschreibung und Grammatik wie immer ohne Gewähr.
;)
"Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill


 

     
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